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"Ich suche nach optischen Reizen, die mich inspirieren."

Seit drei Jahrzehnten macht Doris Hartwich unter ihrem Namen Mode exklusiv für Männer. Sie zählt zu den festen Größen der deutschen Modeszene. Wir trafen sie zum Interview.

DORIS HARTWICH IN IHREM ATELIER. FOTO: HARTWICH.

2018 wurde Doris Hartwich vom Verband Deutscher Mode- und Textil-Designer als Designerin des Jahres ausgezeichnet. In München lebt und arbeitet sie, hier bekommen ihre Ideen konkrete Form.

Frau Hartwich, Ihr Credo lautet: "Hartwich ist für Männer das öffentliche Bekenntnis zur eigenen Persönlichkeit." Wie ist das gemeint und hat sich dies in den letzten Jahren geändert im Gegensatz zu den Anfängen Ihrer Marke?

Die Persönlichkeit, und das gilt im Übrigen nicht nur für Männer, will auch als solche erkannt werden und da sind Modelle von Doris Hartwich ein gutes Ausdrucksmittel. Dies bestätigen mir Männer, die Hartwich tragen, immer wieder. Diese Männer sind detailverliebt. Und Details, die man erst auf den zweiten Blick erkennt, sind eine konzeptionelle Säule meiner Mode. An dem Credo hat sich allerdings seit Gründung des Labels 1985 nichts geändert.

Sie sind seit über 30 Jahren mit Ihren Kollektionen erfolgreich. In der Mode muss man sich ständig neu erfinden, um den Anschluss nicht zu verpassen und den Bedürfnissen der Männer gerecht zu werden. Läuft man da nicht Gefahr, seine eigenen Werte aufzugeben?

Der Designer muss sich immer wieder neu erfinden, stimmt, aber ohne seine Werte, seine Handschrift aufzugeben. Ich interpretiere den Trend mit meiner Handschrift, das heißt ich entwickele neue Ideen zu den neuen Trends und tue das aus meiner Sichtweise für ein attraktives Äußeres der Männer. Authentizität, Disziplin und Treue zu sich selbst sind wichtige Faktoren, um als Marke über einen langen Zeitraum Bestand zu haben.

Was fasziniert Sie daran, ausgerechnet Mode für Männer zu machen – nicht für Frauen?

Zum einen mag ich es, wenn Männer gut aussehen. Dazu aktiv beizutragen, ist eine Herausforderung, die mir Spaß macht. Zum anderen sind Männer per se dankbar, wenn man ihre Attraktivität erhöht. Und sie haben kein Problem damit, die Anerkennung dafür auch mal auszusprechen. Hinzu kommt, dass Männer sich meist nur für Frauen schön machen, also ist es nur logisch als Frau, Mode zu machen, in der Männer sexy aussehen. Außerdem reizt es mich unter stilistischen Gesichtspunkten, Grenzen auszuloten, denen das Design grundsätzlich ja unterliegt – schließlich möchte ich die Männer nicht verkleiden.

Wie und wo lassen Sie sich – abseits der internationalen Modemessen – für Ihre Kollektionen inspirieren?

Ich gehe ständig mit offenen Augen durch die Welt und suche nach optischen Reizen, die mich inspirieren. Wenn mir etwas gefällt, dies kann ein Sonnenuntergang am Meer sein, analysiere ich das Prinzip, das dahintersteckt. Ich frage mich dann, was mich daran fasziniert und versuche es in Mode umzusetzen. Am Beispiel des Sonnenuntergangs ist es die Gegensätzlichkeit vom warmen, wolkigen Himmel, der auf die kühle, schimmernde Wasseroberfläche trifft. Dieses Spannungsfeld der Gegensätze zieht sich durch meine Kollektionen. Natürlich finde ich auch Inspiration, wenn ich durchs Internet surfe oder in Social Media unterwegs bin.

Sie leben für die Mode. Wie und womit verbringen Sie am liebsten Ihre Zeit abseits von Stoffen, Schnitten und Modellen?

Zeit ist eines der wertvollsten und leider auch der seltensten Güter. Wenn man sie hat, sollte man sie schätzen und dementsprechend nutzen. Ich widme sie Freunden und meist meinem Liebsten, der mich in meiner Arbeit ohnehin sehr unterstützt.

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