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David Fried und das geheime Bildmaterial der NASA.

„Als ich sechs Jahre alt war, sah ich das erste Mal ‚Earthrise‘, das berühmte Bild der über dem Mond aufgehenden Erde, aufgenommen von Bill Anders. Dieses Bild änderte alles: Da ist dieser blaue Planet, eine Oase des Lebens inmitten des Nichts. Ich erinnerte mich an ein Sprichwort, das meine Mutter oft predigte: ‚Don’t shit where you eat.‘ Ich sagte zu ihr: ‚Mom, how can’t you shit where you eat? There is no elsewhere!‘ Die Erkenntnis, die ich daraus zog: We have to learn to shit where we eat.“

David Fried mit „Earthrise“

Dieser Schlüsselmoment prägt bis heute seine Sicht auf die Welt und ist der Beginn seiner Faszination für das Universum und das Zusammenspiel der darin lebenden Individuen. Wir haben den 1962 in New York City geborenen, interdisziplinär arbeitenden Künstler in seinem Atelier in Düsseldorf besucht und Testdrucke einiger der bedeutendsten Aufnahmen der Geschichte der NASA gesehen. „Das hier ist keine Kopie einer Kopie einer Kopie. Diese Bilder sind das Ergebnis ersten irdischen Lichts durch die originalen Negative der Apollo-Missionen der NASA!“, proklamiert David. Und spätestens als da Bilder wie „Earthrise“, der Fußabdruck von Neil Armstrong oder das Bild von Buzz Aldrin nur wenige Zentimeter von uns entfernt – zuvor in einem simplen Pappkarton verwahrt – auf dem Tisch liegen, fehlen uns die Worte. Zum Glück nur kurz.

Neil Armstrongs Fußabdruck auf dem Mond

Buzz Aldrin und die amerikanische Nationalflagge

David, wie sind diese Bilder entstanden?

Mein Vater arbeitete in einem Farbfotolabor in New York City, einem für damalige Verhältnisse ziemlich fortschrittlichen Labor – state of the art. Gedruckt wurde auf Barytpapier, ohne Beschichtung und total labbrig. Fotos entwickeln war einfach wahnsinnig aufwendig und die Qualität nicht annähernd so, wie wir es heutzutage gewohnt sind. Plus: Damals haben sie alle Kette geraucht. Auch in der Dunkelkammer. Der Gelbstich ist also nicht bloß ein Zeichen der Zeit.

In letzter Zeit gab es einige Auktionen von Bildmaterial der NASA. Ein paar davon habe ich gesehen – Reproduktionen. Diese Bilder hier sind von den originalen Negativen, das, was noch vor den ersten finalen Abzügen entstanden ist. Damals wurde nicht gleich ein Diapositiv entwickelt; wenn ein Positiv einmal belichtet ist und nicht alles stimmt – Licht, Schärfe, Ausschnitt –, sind die Informationen weg. Bei einem Negativ bleibt alles erhalten.

Die Negative brachte die NASA also ins Fotolabor. Sie kamen mit ihren Aktenkoffern, einer davon mit einem Aktenvernichter darin. Mein Vater erzählte, ein Mitarbeiter hatte sogar eine Waffe. Wie ein Bodyguard; ein Bodyguard von amerikanischen Nationalschätzen, wenn man so will. Der Job meines Vaters bestand darin, Testdrucke zu erstellen. Um Material zu sparen, wurden meist nur kleine Versionen oder Ausschnitte des ganzen Bilds gewählt, anhand derer dann Belichtung, Dichte, Farbechtheit und solche Dinge geprüft wurden. Jeder Testprint kam anschließend in so einen Pappkarton, wurde auf einer anderen Ebene des Labors entwickelt und nach den Wünschen eines Mitarbeiters der NASA vom Drucker bzw. vom Laboranten korrigiert. Das war ein ständiges Raus aus der Dunkelkammer, Rein in die Dunkelkammer. Unter strengster Beobachtung. Und unter strengster Geheimhaltung, ehe die Bilder am nächsten Tag via Tageszeitung und TV um die Welt gingen.

Die Story hätte Potenzial verfilmt zu werden. Wie hat dein Vater das angestellt?

Ein bisschen illegal war das schon. Als New Yorker hat mein Vater ganz streetwise eine Art Hütchenspiel mit der NASA gespielt. Er wusste, was die Mitarbeiter erwarteten. Und lieferte ihnen, was sie erwarteten. Er nahm die Korrekturen, ging zurück in die Dunkelkammer – vollkommen schwarz und dunkel – und belichtete zwei Stücke Papier, von denen eins in einer Kiste in der Dunkelkammer zurückblieb. Das war ein sicheres Ding. Es konnte ja niemand reinkommen und den Deckel der Kiste aufmachen. Im schlimmsten Fall wäre der Schuss zerstört. Und solange das Bild nicht entwickelt ist, ist es nur eine weiße Seite. Nachdem alle Mitarbeiter das Labor verlassen und alle Tests geschreddert hatten, legte mein Vater ein paar Überstunden ein, entwickelte den Abend über durch und brachte die Bilder noch in derselben Nacht zu meinem Bruder, meiner Mutter und mir nach Hause. Und dann haben wir diese Bilder gesehen, noch bevor sie in der New York Times zu sehen waren.

„It was unbelievable to see the pictures before the rest of the world does. But much more unbelievable was the fact, what it’ll do to the world.“ So beschreibt David Fried den Moment, in dem sein Vater Frank Fried geheime Aufnahmen der Apollo-11-Mission mit nach Hause bringt, die am nächsten Tag in der weltweiten Presse erscheinen und die ganze Welt in Staunen versetzen würden.

Weitere Bilder in Davids Atelier

Hatte dein Vater keine Sorgen, dass er irgendwann auffliegt?

Wir hatten die Bilder nur für uns privat. Ein paar von ihnen haben wir sogar gerahmt und aufgehängt. Da er sie nicht kommerziell genutzt hat, wäre das nicht verfolgt worden. Die Bilder sind ja im Grunde öffentliches Eigentum. Heute sind alle Bilder hochauflösend eingescannt und über das Archiv der NASA frei zugänglich.

Und wann hat dein Vater dir die Bilder vermacht?

In unserem Wandschrank gab es diese Kiste „Space Pics“. Wir haben sie immer wieder mal vorgeholt und die Bilder angeschaut. Ich fand und finde sie fantastisch – deshalb hat mein Vater sie mir, kurz nachdem ich mit 16 die Highschool abgebrochen hatte und auszog, vermacht. Das Problem war nur, dass man als Künstler in NYC mit 18, 19 Jahren nicht lange in derselben Wohnung lebt. Leben in NYC ist ein echter Kampf – die Vermieter, die Nachbarn, die Schießereien vor der Haustür. Wenn ich umgezogen bin, habe ich immer erst mal alles gerettet, was ich selbst als Künstler geschaffen habe. Die NASA-Bilder habe ich zwar nie zurückgelassen, aber wertschätzend verpackt habe ich sie auch nicht.

Und so schlummern diese Schätze bis heute in einem großen gelben Pappkarton – jederzeit bereit, ihrem nächsten Betrachter die Faszination Weltall näherzubringen.

Wenn Sie mehr über David, seine Kunst und seine non-lineare Sicht auf die Welt erfahren wollen, besuchen Sie seine Website . Mit größtem Dank an den sehr herzlichen, aufgeschlossenen und wahnsinnig interessanten Künstler und Menschen David Fried, schließen wir diesen Beitrag mit einem Zitat von ihm, das wir nach unserem persönlichen Kennenlernen vollkommen bestätigt sehen.

„We always seem to think that it’s only the art an artist makes that can move millions of souls. In my experience, it is often the artist himselve – as a person – who can touch others in so many more ways, and share their individual wisdom and integrity more direct and diversely than their art itself may ever hope to. Some of the most minimal artists, including myself, are in person not minimal at all. Artists may incorporate distilled socio-philosophical context behind their creations, but in person, be completely outspoken and ready to debate any relevant topic that their art does not touch on.“

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