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Mit Haaren das Meer retten: Hair help the Oceans.

Jedes Jahr werden deutschlandweit Tonnen an Haarabfällen im Restmüll entsorgt. Nur wenige Haare kommen für die Herstellung von Perücken infrage. Aber Haarreste können noch einen anderen Nutzen haben, weiß Emidio Gaudioso. 2022 gründet er gemeinsam mit Thomas Keitel die HAIR HELP the Oceans UG und setzt sich für die nachhaltige Verwertung von Haaren zum Schutze der Ozeane ein. Wir haben mit dem leidenschaftlichen Friseurmeister aus Bückeburg gesprochen und uns erklären lassen, wie das funktioniert.

Lieber Emidio, ‚Mit Haaren das Meer retten‘ – das hört sich nach einem Werbeslogan der Hygienemittelindustrie an. Was steckt wirklich dahinter?

Vor drei Jahren habe ich meinen auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Salon „Emidio Xsesso Hair“ eröffnet. Angefangen von wassersparenden Duschköpfen bis hin zum engen Austausch mit der paritätischen Lebenshilfe, mit dem Ziel ein Konzept zur Wiedereingliederung von Langzeitarbeitslosen zu entwickeln. Die Norddeutsche Handwerkszeitung hat dann über unser Konzept berichtet, worüber wiederum die Förderer des Innovationspreises im Landkreis Göttingen auf uns aufmerksam geworden sind und zur Teilnahme an dem Publikumspreis motivierten. Warum nicht, habe ich mir gedacht. Ja, und diese Teilnahme hat Thomas Keitel, der mich in Unternehmensfragen berät, und mich ans Denken gebracht. Was können wir sonst noch tun? Thomas hatte damals über einen Friseur aus Frankreich gelesen: „Der macht irgendwas mit Haaren und Meeren.“ Das brachte uns dann zu Thierry Gras, der 2015 den Verein Coiffeurs Justes, also die fairen Friseure gründete. Wie wir heute sammelt er Haarabfälle und bereitet diese zur Säuberung von Gewässern, insbesondere zur Reinigung bei Ölunfällen auf. Uns hat das auf Anhieb begeistert, das wollten wir hier in Deutschland auch machen. Und so gründeten wir HAIR HELP the Oceans.

Emidio Gaudioso rettet mit alten Haaren Gewässer und Meere. Quelle: Gerold Milke von Sichtbar-Fotografie.

Erzähl.

Im Grunde ist das eine simple Sache, mit riesen Wirkung. Menschliches Haar hat eine hohe Aufnahmefähigkeit von Öl. So entstand die Idee, dieses Naturprodukt, das ansonsten einfach im Restmüll entsorgt wird, sinnvoll für den Gewässerschutz einzusetzen. Das Haar wird gesammelt und in eine Art überdimensionalen Nylonstrumpf gestopft. Im Wasser ausgelegt, wird das Öl förmlich aufgesogen und aus dem Kreislauf genommen. Die Einsatzmöglichkeiten reichen von kleinen Mengen auslaufenden Öls, zum Beispiel in Motorräumen von Motorbooten bis hin zu großen Schiffsunglücken mit auslaufenden Öltanks.

Emidio beim Formen des Strumpfes und beim Testeinsatz mit der Feuerwehr.

Gemeinsam mit dem Fachbereich Wasser und Umwelt der Hochschule Magdeburg forscht ihr an der Wirksamkeit der Haare. Welche Erkenntnisse erhoffst du dir für die Zukunft?

Wir arbeiten sehr eng mit Prof. Dr. -Ing. Jürgen Wiese (seit 2016 Professor für Siedlungswasserwirtschaft, Schwerpunkt Abwasser). Zunächst hatten wir vordergründig Notfälle, Unglücke, Katastrophen vor Augen, bei denen Öl in die Gewässer gelangt. Gemeinsam mit der Hochschule fokussieren wir daneben das Thema Prävention und die Frage, wie schaffen wir es, dass Verunreinigungen gar nicht erst in den Kreislauf gelangen? Ein alltägliches Beispiel: Viele Sonnencremes enthalten künstliche Stoffe zum Schutz vor UV-Strahlung. Diese sorgen in entsprechender Menge für Korallensterben und andere Missstände in Gewässern. Warum nicht in Urlaubsgebieten, wo die Strandabschnitte eh abgesperrt sind, unsere Haarschläuche einsetzen? Die Öle schwimmen oben auf und würden ohne Aufwand von unseren Schläuchen aufgesogen. Ein Austreiben würde vermieden und dem Meer wäre schon ein ganzes Stück geholfen.

Darüber hinaus forscht die Hochschule im Bereich Kanalisation und Oberschmutzwasser. In einer aktuellen Versuchsreihe kommen dabei unsere Haarmatten zum Einsatz. Dieses System aus verfilzten Haaren packt es einen nicht unerheblichen Anteil Mikroplastik aus dem Wasser zu filtern. Das ist irre. Es gibt auch die Überlegungen das Haar als Filtersystem für Kläranlagen zu nutzen. Da wird also noch viel passieren.

Meinen persönlichen Beitrag kann ich also im Kleinen leisten, wenn ich mir bei einem eurer Partnersalons die Haare schneiden lasse. Mittlerweile habt ihr über 1.400 Partnersalons. Wo finde ich die und eignen sich tatsächlich die Haare eines jeden?

All unsere Partner findet man über den Salonfinder auf unserer Internetseite hair-help-theoceans.com. Grundsätzlich lassen sich die Haare von jedem nutzen. Glatte Haare, Naturkrause, blonde Haare, dunkle Haare. Und dann stellt sich die Frage: Wie verhält sich die Koloration im Wasser? Kolorierte Haare geben Farbe ab. Wobei das ja irgendwann aufhört, bzw. wir die Menge Farbe immer ins Verhältnis zu Wassermenge und positiver Wirkung setzen müssen. Auch hierzu forschen wir mit der Hochschule Magdeburg.

Wenn Du einen Blick in die Zukunft wirfst: Welche Vision hast Du für Hair Help the Oceans?

Unsere Vision ist, dass wir das, was wir hier in Deutschland machen, auf möglichst viele andere Länder ausweiten. Wir retten nicht alleine die Welt. Deshalb wollen wir unser Know-how weitergeben, um so weltweit einen Beitrag zu leisten.

Besten Dank, Emidio, fürs Gespräch.

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