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Die Bude – Institution und Kulturgut.

Menschen, Fassade, Inventar – wie bunt es im Kiosk zugeht, zeigt sich nicht zuletzt an der Vielfalt der Bezeichnungen. „Hier kommste halt mit Leuten zusammen, die du sonst nicht sprichst.“, erzählt Torsten nachdem die Fotostrecke zum Thema Kiosk im Kasten war. Und zwar gleichermaßen um sich oberflächlich über Wetter, Familie, Politik auszutauschen oder um kontrovers über die geplanten Ausgaben neuer Fahrradwege im Viertel zu diskutieren.

An keinem Ort der Welt werden so viele Klischees bedient und gleichzeitig komplett über den Haufen geworfen, wie „anner Bude“ (wie man im Ruhrgebiet zu sagen pflegt). Oder an der Trinkhalle, am Büdchen, am Wasserhaus, im Späti.

Per Definition ist ein Kiosk eine Verkaufsstelle für die Dinge des täglichen Bedarfs: Genusslimonade, Chips und gemischte Tüte für einen Euro, Tageszeitung und Politmagazin und so ungesundes Zeug wie Zigaretten und Spirituosen. Wobei der Begriff des „täglichen Bedarfs“ dehnbar zu sein scheint: Von Toilettenpapier bis Schampus und Kaviar – alles schon gesehen.

Zurückführen lässt sich die uns bekannte Kioskkultur auf die Industrialisierung. Mehr Arbeit, mehr Mobilität, mehr Jobs die nicht mehr auf den Ort des Wohnens fallen. Hunger und Durst wollten zunehmend auch außerhalb der eigenen vier Wände gestillt werden.

Zu Beginn, zu einer Zeit in der Leitungswasser nicht ohne Risiko getrunken werden konnte, wurde hauptsächlich Mineralwasser verkauft. Daher auch der Name Wasserhäuschen (insbesondere im Raum Frankfurt noch immer gebräuchlich) oder Trinkhalle. Die charakterprägenden Genussmittel wie Süßkram, Tabak und später auch Alkohol kamen erst hinterher hinzu. Ebenso wie der speziell in Berlin so geliebte Späti – eine Sonderform des Kiosks in der ehemaligen DDR, der sich auf die Bedürfnisse der in Schicht arbeitenden Gesellschaft eingestellt hatte. Er ist Supermarkt, Obst- und Gemüsehändler, Bäckerei, Drogerie, Paketshop, Reparaturservice und Schankwirtschaft in einem. Und dass zum Teil mit durchgehenden Öffnungszeiten (Voraussetzung: eine ausgetüftelte Sortimentsstrategie).

Und schließlich ist der Kiosk der eine Freund mit offenem Ohr und klugem Rat in petto – die gute Seele des Viertels. Stil und Flair werden dabei ganz klar vom Besitzer geprägt. Der eine in Redelaune als „the place to be“ für den Flurfunk des Viertels, der andere einer, dem man jedes Geheimnis anvertrauen kann. Ein Ort, an dem unterschiedlichste Menschen zusammenkommen. Menschen von um die Ecke und manchmal aus der ganzen Welt – eine gemischte Tüte des Lebens halt. In Nordrhein-Westfalen zählt die Trinkhalle seit 2021 deshalb zum immateriellen Kulturgut des Landes. Zurecht.

Diese Geschichte, die Leidenschaft der KioskbetreiberInnen, die Begeisterung der Kunden und Kundinnen jedenfalls inspirierte uns dazu, der Institution Kiosk ein ganzes Fotoshooting zu widmen. Und je mehr wir uns mit dem Phänomen beschäftigen, umso größer wurde die Begeisterung.

Unterwegs waren wir übrigens in der Rheinmetropole Düsseldorf, vor und in Trinkhalle, Büdchen und Co. Hier ein kleiner Einblick in Düsseldorfs Kiosk-Kultur.

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