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Das Vintage-Velo (Diamant Tourenrad 28 Zoll) wird künftig westlich von Stuttgart über den Asphalt rollen. Erik hat uns mit auf die Tour seines Lebens genommen und sein Reisetagebuch für uns geöffnet. Im April 1988 steigt er in den Sattel, inspiriert von Walter Hamanns Abenteuerbuch „Mit dem Fahrrad um die Welt“. Die Freude, die wir beim Lesen seiner und allen weiteren Einsendungen hatten, möchten wir gerne mit Ihnen teilen. Dazu finden Sie die Geschichten und Fotos zum Aufklappen auf dieser Seite. Erik hat das Velo gewonnen, die weiteren Autoren dieser Seite haben die Bike Bag von Heldbergs erhalten.

Wir danken allen Teilnehmern für die Zeit, die Sie sich genommen haben. Wir haben jede Einsendung mehrfach gelesen: von Irrfahrten in Kanada aufgrund falsch gelesener Karten, Liebesgeschichten, Vater-und-Sohn-Erlebnissen, leidenschaftlichen Wettkämpfen und der Erkenntnis, dass ein vierter Platz auch Gold wert sein kann, mitgeschleppten Reisebügeleisen und erschöpften Beinen, der Ankunft in der baltischen Rock’N‘Roll City Liepaja, schmerzlich vermissten Fahrrädern, die gestohlen wurden, Schutzengeln bei Flügen über den Lenker, den Herausforderungen im Linksverkehr in Dublin und davon, dass selbst in einem kleinen Speichenschloss ein ganz großes Stück Erinnerung steckt. Dabei ist es uns nicht leicht gefallen, die Gewinner zu küren.

 

Eriks Tour des Lebens

Gewinner Erik und die Tour seines Lebens.

Mit 27 hängt Erik seinen Job an den Nagel. Dass die Kollegin, die er als seine Nachfolgerin einarbeitet, einmal seine Ehefrau werden wird, ist eine besondere Pointe des Berichts, ihm 1988 aber noch nicht bewusst. „Die Kündigung war so oder so eine gute Entscheidung fürs Leben“, schreibt Erik. Und weiter:

> Zu Eriks ganzer Geschichte

„Mein Fahrrad, ein Epple Modell Pinarello, war gewartet und mit Karrimor-Taschen gepackt. Es konnte losgehen. Bei stürmischem Wetter Mitte April 1988. Die Muskeln hatten sich an die Anstrengung gewöhnt. Die Haare wurden länger, der Bart ist mir gewachsen und die Haut wurde braun. Geschlafen habe ich auf Campingplätzen, unter freiem Himmel, im Heuschober oder bei netten Menschen, die mich spontan einluden. Mit wenigen Fremdsprachenkenntnissen kommt man mit Freundlichkeit in Frankreich weiter. „Havez vous une chambre pour moi? Merci.“

Über viele Wochen meiner Fahrt entlang des Rheins von Karlsruhe nach Basel, weiter nach Lyon, durch die Auvergne, entlang der großen Flüsse in Frankreich, Lot und Dordogne, bin ich in Bordeaux angelangt. Von da die Atlantikküste Richtung Süden. Über Biarritz nach Lourdes und über die Pyrenäen nach Barcelona.

Tagebucheintrag vom 10.06.1988
Beinahe hätte ich heute nichts schriftlich festhalten können, wäre da nicht der Achsenbruch am Hinterrad gewesen. Ich war erstaunt, als ich heute Morgen in Cuenca losfuhr und wieder alles ok mit dem Velo schien. Ca. 20 km vor Beluonto auf freier Strecke am Anfang der La Mancha in der Provinz Cuenca fing es dann an zu knirschen. Ich musste feststellen, dass das Hinterrad, obwohl fest am Rahmen angeschraubt, wackelte bzw. sich bewegen ließ. Ich bin dann ca. 5 km zurück, wo ich zuvor eine Tankstelle sah. Als ein Mechaniker das Hinterrad vom Rahmen löste, wurden meine gehegten Befürchtungen bestätigt. Die Achse fiel ihm in 2 Teilen entgegen. Aber Ruhe bewahren. Erst wollte ich per Anhalter in die nächste Ortschaft kommen, um eine neue Achse zu besorgen. Doch plötzlich stand ein Spanier da und meinte, er würde mit mir die Achse besorgen. So sind wir 36 km bis nach Mota le Cuerva gefahren, wo ich bei einem Schmied das gute Stück aus einer Kiste mit Altschrott bekommen hatte. Er hat die Achse an die Länge der alten angepasst und sie gleich in das mitgebrachte Hinterrad eingebaut. 500 Peseten und noch 200 von mir obendrauf. CroMoly Stahl kann auch brechen, meinem Radhändler Herrn Schröder in Großbottwar werde ich nach meiner Rückreise davon erzählen! Heute Abend ließ ich es mir in einem Hostal (1200 Peseten) gutgehen, bei Bier, Tapas und dem Europameisterschaftsspiel BRD-Italien (1:1). Ich übernachtete in  Beluonto. Morgen werde ich ein bisschen Sightseeing machen und dann weiterfahren. Bei dem Mechaniker der Tankstelle noch vorbeischauen, wegen der Kontrolle der vorderen Achse (!) und den anderen Teilen. Der Spanier, der so freundlich war, wollte für seine Hilfsbereitschaft nichts annehmen, nicht einmal ein Getränk, er musste zurück nach Cuenca. Um 23:00 Uhr habe ich noch kurz bei Petra und Dietmar angerufen und ihnen zur Vermählung alles Gute gewünscht. Sie haben sich gefreut, dass ich daran gedacht habe.

Meine Reise führte mich weiter über Granada (Deutschland gewann gegen Spanien 2:0 bei der EM und die Spanier waren in der Bodega trotzdem freundlich zu mir!) nach Gibraltar.

Tagebucheintrag vom 19.06.1988
Wir (Frank, den ich unterwegs getroffen habe) sind dann weitergefahren über ziemliche Anstiege hinweg, kommen aus einer Kurve und sehen völlig unerwartet den Felsen von Gibraltar. Wir waren total begeistert. Dann runter nach Linea und zur Grenze (brit. Boden). Unsere Pässe wurden kontrolliert, alles ok. Wir fragten die Grenzbeamten, ob wir unsere Räder mitsamt Gepäck hier abstellen könnten. Wir haben vor auf dem Berg zu schlafen (Sonnenunter und -aufgang). Dies sei strikt verboten, wir müssten auf einem Campingplatz in Algeciras (Spanien) oder in einem Hotel in Gibraltar schlafen. Wir sind den ganzen Abend auf der Suche nach einem geeigneten Platz zum Schlafen gewesen, haben aber nichts gefunden. Ein Hotelzimmer kostet 100 Pfund (1 engl. Pfund kostet 3 Mark), deutlich zu viel für uns. Nach einem halben Hähnchen und Frites haben wir uns mit ein paar Büchsen Bier wieder auf den Weg gemacht. Richtung Leuchtturm. Plötzlich stehen wir an einer Auffahrt zu einem großen und schönen Park mit einer Villa. Wir sind hinauf und sahen einen idealen Platz unterhalb des Wohnhauses, das durch eine mannshohe Hecke abgeschirmt war. Wunderbare Rosen, Palmen... Wir verhielten uns erst mucksmäuschenstill, tranken unser Bier und unterhielten uns sehr leise. Frank schlief dann gleich ein, nur ich mit meinem viel zu warmen Daunenschlafsack konnte nicht schlafen. Ich schwitzte sehr. Gegen frühen Morgen bin ich dann doch eingeschlafen.


Meine Reise führte mich weiter nach Sevilla, von dort bin ich als Anhalter auf einem Fruchtmarkt mit einem deutschen Kartoffellaster zurück nach Bordeaux. Über Carcassone an die Mittelmeerküste nach Nizza. Korsika und Sardinien sind traumhafte Inseln. Die italienische Küste wieder nordwärts und von Genua über die Berge in die Schweiz, wo ich in Genf eine nette Kanadierin wiedergetroffen habe. Nordfrankreich und rüber auf die britische Insel. London, Pik und Lake Distrikt (die steilsten Straßen, >20%, die ich kenne), Schottland (Fjorde, Seehunde, Highlands, Whiskey, Ben Nevis) nach Nordirland, wo in Belfast noch die Armee patrouillierte, zu den steilsten Klippen Europas Slieve League. Mit Patrick in Donegal, einem alten Wirt, viele Abende und Gespräche am duftenden Peat-Feuer verbracht. Über Wales zurück nach England und von Harwich mit der Fähre über den Kanal nach Hamburg. Der erste Schnee hat mich in Göttingen überrascht. Die letzten Kilometer dann mit dem Zug. Die Flasche irischer Whisky hat mein Heimatdorf im Schwäbischen, Mitte November 1988, nicht erlebt. Im Zug waren auch nette Mitreisende!"

Benedikt bei der L´EROICA.

Dieses Bild zeigt Benedikt 2017 auf der „Zielgeraden“ der L´EROICA in Gaiole Toskana Italien. Er schreibt uns: „Wer schon mal in der zentralen Toskana mit dem Fahrrad unterwegs war, der weiß, dass es fast nur bergauf oder bergab geht.“

> Mehr zu Benedikts L’EROICA

Bei dem Fahrradrennen für historische Fahrräder sind nur Räder zulässig, die seit der Jahrhundertwende bis zum Anfang der 1980er-Jahre hergestellt wurden. Benedikt hat auf seinem Halbrenner Marke ESKA, Baujahr ca. 1912 teilgenommen. Das Rad ist komplett original – bis auf die Mäntel und Schläuche. Bei der L´EROICA wird vorrangig auf ‚gravel roads‘ zwischen den Weinbergen gefahren. Benedikt: „Dass heißt Lehm und viele spitzige Steine. Viel Staub bei Sonnenschein und viel glitschiger Untergrund bei Regen und noch mehr platte Reifen bei Rennrädern mit aufgeklebten Schlauchreifen.“

Tobias, der Klausurenkurier.

Tobias unterrichtet Englisch an einem Gymnasium in Bayern. Er hat bereits den Mont Ventoux in Südfrankreich mit dem Rad erklommen – ebenso die Auffahrt mit den 21 Haarnadelkurven hoch auf die Alpe d’Huez. Aber seine Geschichte erzählt von zu Hause:

> Zu Tobias‘ analoger Klausurenausgabe

Meine allerletzte große Tour mit dem Rennrad liegt gerade einmal wenige Wochen zurück. Sie ist für mich exemplarisch für das Erlebnis Rennrad: Wenige Tage vor den Schulschließungen [Corona-bedingt, A.d.R.] hat meine 12. Abiturklasse in Englisch regulär ihre Klausur geschrieben. Nun waren alle Schüler sehr gespannt, welche Note sie erreicht haben, doch konnte ich ihnen die Klausur nicht wirklich zurückgeben. Einfach nur die Note auf elektronischem Wege mitzuteilen ist natürlich die eine Seite, jedoch wollen Schüler auch ihr tatsächliches Ergebnis in Form der Korrektur sehen und nachvollziehen. Ich entschied mich, alle Klausuren persönlich vorbeizubringen und sie in den Briefkasten zu werfen oder mit sicherem Abstand zu übergeben. Selbstverständlich mit dem Rennrad. Da ich an einer Landkreisschule unterrichte, war mir gleich klar, dass dies eine beträchtliche Runde würde. Schnell mal geschaut, wo alle Schüler so wohnen, soweit möglich einen Rundkurs berechnet, das Projekt als machbar eingeschätzt und den Schülern angekündigt. Da waren ungläubige Reaktionen. Das sei aber doch ein sehr großer Aufwand, schrieb eine Schülerin zurück. Das stimmt schon, allerdings lassen sich manche Dinge eben nicht einfach innerhalb dieser einfachen Sichtweise „Aufwand vs. Nutzen“ beurteilen. Ich wusste, dass mir eine solche Runde, bei der ich auch gleichzeitig Dörfer und Gegenden in meiner Umgebung kennenlerne, wo ich vorher noch nie war, ganz einfach eine riesige Freude bereiten würde. Und darum geht es eben beim Rennradfahren. Also ging es, alle Klausuren im Rucksack, los. Mit entsprechender unverzichtbarer Routing-App (soviel digitale Begleitung muss halt schon sein) konnte ich jede entlegenste Adresse finden. Nach 113 km und 2.000 Höhenmetern hatten alle Schüler ihre Klausur in den Händen oder im Briefkasten und ich war um ein unvergessliches Erlebnis reicher."

Florian und die alte Dame aus Berlin.

Im Sommer 2016 geht es für Florian von Hamburg nach Berlin. Dort absolviert er als Rechtsreferendar eine dreimonatige Verwaltungsstation beim Wissenschaftlichen Dienst des Bundestages. „Nach zwei Wochen auf dem Sofa eines Kumpels im Prenzlauer Berg zog ich weiter zu einem ehemaligen Kommilitonen ins tiefste Neukölln.“

> Warum Florian ihr treu blieb

„Von dort jeden Tag mit der BVG in den Bundestag? Keine Chance, ein Fahrrad musste her. Gebraucht kaufen, möglichst billig, sollte ja nur drei Monate halten und möglichst nicht geklaut werden.“ Florian erwirbt für 70 Euro ein Pointer-Damenrad. Es ist laut eigener Aussage „schwer und nicht gerade wendig, hat aber sieben Gänge und einen Kettenschutz.“ Zwei Monate lang radelt er täglich die ca. zehn Kilometer von Neukölln bis zum Bundestag, dort in den Anzug, nach Feierabend wieder in die Fahrradklamotten und zurück. Am Wochenende führt ihn ‚die alte Dame‘ durch den Grunewald bis nach Potsdam. „Der Pointer und ich wurden unzertrennlich“, schildert Florian. Als die Rückkehr nach Hamburg ansteht, hat der Referendar fünf Angebote, dass Fahrrad zu verkaufen. Höchstes Gebot: 150 Euro. Statt Trennung investiert er in die gemeinsame Zukunft, zahlt den Aufpreis für ein Fahrrad-Ticket der Bahn und belädt den Pointer mit Sack und Pack. Am Hauptbahnhof entsteht das Foto. Bis heute bringt ihn das Damenrad „immer noch treu von A nach B“.

Tobias‘ Fahrrad-Date.

„Eigentlich“, so schreibt uns Tobias, „ist es nicht mein Ding, Geschichten zu erzählen.“ Der Gewinnspiel-Aufruf von Mey & Edlich aber erreicht ihn an einem bedeutenden Tag – dem 1. Mai. „Das ist ein Tag, den ich immer gerne in Erinnerung habe. Es ist nämlich auf den Tag genau 30 Jahre her, dass ich mich mit meinem roten Motobécane Rennrad auf den Weg gemacht habe zu einer Verabredung.“

> Mehr zur Zweisamkeit der Räder

Leicht nervös habe ich eine junge Dame zu einer 1. Mai-Radtour abgeholt. Es war ein traumhaft schöner Tag, sonnig und noch nicht zu heiß, aber gerade gut für sommerliche Kleidung. Ich habe also meine wunderschöne Begleitung abgeholt. Bestens gelaunt sind wir durch das schöne Kochertal geradelt. Unser Zielpunkt war damals das schöne Städtchen Schwäbisch Hall. Die alten Gässchen und die malerische Lage am Kocher sind auch heute noch sehenswert. Jetzt ist die Frage, warum dieses Fahrrad-Date prägend war? Nun ja, die besagte Dame und ich begehen heute unseren 30 jährigen Jahrestag. Wir sind inzwischen über 20 Jahre verheiratet und haben zwei große Söhne. Eines kann ich Ihnen sagen: Das war für mich, für uns sicherlich prägend.“ Die Liebe hat gehalten. Und die Räder. Zum Beweis schickt Tobias die Räder, die sie 1990 gefahren sind. Sie existieren noch und sind nach wie vor im Einsatz.

Bud Spencer-Frühstück an der Donau.

August 2016. Es war eine spontane Idee, entstanden an einem geselligen Abend. „Ja freilich, gleich morgen früh fahr´n mia los“, sagen sich Franz und sein Kumpel. Mit ihren historischen Velos wollen sie die Donau entlang treten. Das Gepäck kommt in eine provisorisch installierte Weinkiste auf dem Gepäckträger.

> Lesen Sie, wie gut Bohnen mit Speck schmecken

„Schlafsack und die gusseiserne Pfanne eingepackt, fertig.“ Das Motto der dreitägigen Fahrt: Kein Dach und kein Ziel. „Wir haben an einem Römerkastell direkt an einer Fähre die Donau erreicht. Der Fährmann hat davon erzählt wie er Fährmann wurde, wie seine Fähre vor Jahren einmal gesunken ist und wie sein Leben an dieser Stelle des Flusses ist. Begleitet von tollen Naturkulissen, lachenden Menschen und der Einladung des Flusses zum Baden fuhren wir in den Abend bis zu einer kleinen Marina, an der wir mit Freizeitkapitänen und Leichtmatrosen noch ein oder drei Bier tranken. Wir übernachteten unter einer Donaubrücke am Lagerfeuer, das wir aus Treibholz entfachten. Den nächsten Morgen begannen wir unerwartet gut ausgeschlafen mit Kaffee und Speckbohnen ganz nach Bud Spencer Manier. Dann packten wir die Velos wieder auf, kamen noch vor Mittag an ein großes Oldtimertreffen in Matting, bei dem wir durch unsere Velos wie Teilnehmer behandelt wurden. Nachmittags ging es weiter zu Naab-Mündung. Die Entschleunigungskeule hatte uns voll getroffen! Erfrischung bot ein Sprung von der Fußgängerbrücke über die Naab in Mariaort. Es ging sechs bis acht Meter runter: Dieser Moment – ein grandioses Gefühl! Die nächste Nacht verbrachten wir in einer Höhle im Wald. Zugegeben, für einen kurzen Moment war das alles komisch, aber unser Motto war schließlich: Kein Dach und kein Ziel! Für uns war es die erste Nacht, die wir in einem Wald verbrachten – wahrscheinlich darum immer mit einem offenen Auge. Dennoch: Eine tolle Erfahrung. Leicht ‚gerädert‘ haben wir die Fahrräder, die alles super zuverlässig mitgemacht haben, wieder aufgesattelt und sind in den Tag gefahren. Die Naab entlang sind wir mittags an einem Wirtshaus angekommen, in dem es zertifizierte Champagner-Weißwürste gab. Als Niederbayer ist man sich aber im Klaren darüber, dass dies niemand braucht. Aber nach den Erlebnissen der letzten Tage war auch klar, dass uns das auch nichts anhaben kann. Hier endet unsere Tour, am späten Nachmittag hat uns ein Freund abgeholt. Ich war damals 40 Jahre alt und diese Tour war eine wichtige Wegegabelung in meinem Leben. Selbstständig und wie schon die Beatles sangen: „I´ve been working like a Dog“, habe ich viel aufgebaut und dabei doch vergessen, wie schön das Leben und alles um uns herum sein kann.“

Mit dem Sattel auf der Querstange.

Es war sein erstes Fahrrad, ein 26 Zoll Diamant-Rad aus den Siebzigern, ohne Kettenschaltung. Stephan ist noch keine zehn Jahre alt, seine Körpergröße dementsprechend und von daher muss der Sattel ab und auf die Querstange geschraubt werden – „zum Glück war es ein Herrenrad“.

> Wie Stephan mit seinem Fahrrad wächst
Das Rad ist mit ihm mitgewachsen. Mit ihm „und jeder Menge Brennesselstauden am Wegesrand. Den Rest kann man sich denken.“ Bis zum Abitur ist es seins, „egal ob Sommer oder Winter. Es war sowohl mein Pferd, auf dem ich als Indianer oder Cowboy galoppierte als auch mein Motorrad, mit dem ich durch Wald und Wiesen crosste. Natürlich brachte es mich auch immer zuverlässig zur Schule und zum Volleyballtraining. Später kamen dann Simson S 50 und MZ TS 250 hinzu.“ Und dass er heute – 31 Jahre nach seiner Allgemeinen Hochschulreife – wieder auf einem Diamant-Rad fährt, ist nur verständlich.

Matt, der tapfere Biker aus Pennsylvania.

In der Rückschau sagt Matt: „Aber ich war 8 Jahre alt und unsterblich.“ Matt (links im Bild) wächst in West Grove, Pennsylvania, auf. „Zu der Zeit hatte ich ein gelbes Fahrrad mit Bananasitz; fast wohnte ich auf dem Ding.“ Auf dem Foto sehen Sie noch Scott, seinen besten Freund und Nachbarn, „der einzige, der schneller als ich fahren konnte.“

> Mehr über Matt und seine Freunde
Das wollte Matt nicht auf sich sitzenlassen. „Eines Sommertages (also, kurze Hose und T-Shirt-Wetter) bin ich den Berg (vor Matts Haustür, A.d.R.) besonders schnell heruntergefahren, und dann habe wie immer superhart gebremst. Auf der Straße war viel Sand und kleiner Kies, vom Regen dahin gespült.“ Matt fällt. Er sieht „grausam aus, blutig.“ Sein anderer Schulfreund, Todd (2. v.l. im Bild), hört ihn und holt seinen Vater. Der setzt den kleinen Matt auf einen Stuhl mit Armlehne. Und bittet seinen Sohn Todd, sich auf Matts rechten Arm zu setzen, den anderen Bruder bugsiert er auf Matts linke Seite. Und gießt Whiskey über den blutigen Arm. „Ich glaube, ich habe dann sogar lauter geschrien, als in dem Moment, als ich mit meinem Fahrrad gefallen bin.“ Fünf Minuten später sitzt Matt wieder auf seinem Rad. Seine Geschichte überschrieb Matt übrigens mit „Whiskey ist nicht nur zum Trinken da.“

Als Martin den gambischen Rennradmeister bezwang.

Für den deutschen Entwicklungsdienst geht Martin Ende der 1990er nach Gambia. Sein Bianchi-Rennrad lässt er einfliegen für die Wochenenden. Und ein Radrennen. Er radelt zum Treffpunkt, zu einer Zeit, als „gerade die Sonne über den Mangrovensümpfen“ aufgeht. Doch niemand ist da.

> Hier geht’s zum Bericht über das kuriose Rennen
Sein Freund Eliman, der damals amtierender gambischer Meister im Rennradfahren ist, hat ihm von dem Rennen erzählt. Eliman ruft Martin an, Uhrzeit und Startpunkt seien verschoben. Martin radelt weiter, via Hauptverkehrsachse. Der Verkehr ist dicht, die Regeln Auslegungssache. „Immerhin sind Rennradfahrer in dem Gewimmel unübersehbar – im Radtrikot fällt man noch mehr auf als mit weißer Hautfarbe.“ Martin kommt an. Hier ist Eliman und „ein Team vom Fernsehen, einige Herren in sehr geschäftsmäßigem Anzug sowie alles, was in diesem Land ein Rennrad besitzt, nämlich ungefähr zehn Gambier.“ Aber nichts passiert. Vier Stunden wartet er mit Eliman. Mitten in der Mittagshitze fahren sie dann einfach los. Die anderen Fahrer folgen. „[Sie] überholen dabei einen LKW, dessen Fahrer bisher höchstwahrscheinlich weder Rennradler kannte, noch das Gefühl, bei seiner Höchstgeschwindigkeit von 40km/h von Radfahrern überholt zu werden.“ Auf den letzten Kilometern beginnt ein spektakulärer Sprint. Eliman gegen Martin. Martin gewinnt. Und dann? Dann fahren sie „an die erstbeste Softdrink-Bude und feiern das Rennen, meinen ‚Sieg‘ und den Tag bei einer lauwarmen Cola und viel gegenseitigen Respektbezeugungen.“

Ralf und Jaro bringen die 1930er zum Fahren.

Fast ein Jahr lang haben Ralf und sein Sohn Jaro ihre Leidenschaft fürs Handwerk in die Restaurierung eines schrottreifen Velos investiert. Die Idee hatte Jaro aus einem Schulprojekt mitgebracht. Das Schätzchen von ca. 1938 ist heute kaum wiederzuerkennen. „Seit der Restaurierung wissen wir alte Fahrräder sehr zu schätzen und freuen uns über jede Begegnung mit einem alten Rad, dessen einfache, aber robuste Technik uns begeistert“, schreibt uns Ralf.

Peters Augenzwinkern.

Ja, richtig gesehen. Sie werden hier Zeuge eines Sturzes. Das auf dem Rad ist Peter. Wer genau hinter der Kamera steht, ist uns nicht überliefert worden. Jedenfalls beherrscht die Person ein gutes Gefühl für Timings. Es gefällt uns, wie Peter so herrlich unverblümt davon erzählt, dass er Teil eines Mountainbikekurses für Anfänger war. Lektion 12: Bei voller Fahrt eine Vollbremsung hinlegen. Foto anbei. Zitat Peter: „Bis auf Prellungen und Abschürfungen ist es glücklicherweise gut gegangen. Aber das werde ich nie vergessen und habe mich seit dem auch nicht mehr getraut, so zu bremsen...??.“ Gut so, Peter.

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