„Wie die Faust aufs Auge.“

München, kurz nach Mitternacht. Bartender Klaus St. Rainer steht heute schon die siebte Stunde hinterm Tresen. Etwas finster schaut er ins Rührglas – das tut er immer, wenn er sich konzentriert. Er mixt, rührt, schüttelt, seiht. Es riecht nach ausgequetschter Zitrone, kurz steigt der Duft von Absinth an die Decke und in das Grundrauschen rauer Stimmen, die sich über den dunklen Holztischen seiner "Goldenen Bar" treffen, legt sich das Klopfen von ins Glas gestürzten Eiswürfeln.

Klaus St. Rainer betreibt die Bar seit 2010, hat sich damit nach bedeutenden Stationen wie sieben Jahren in der legendären Münchner Schumann‘s Bar, einen Traum erfüllt. Zwischen Prunk und Patina serviert sein Team, das Rainer selbst als "schräg, gut ausgebildet und hochprofessionell mixend" bezeichnet, 60 Eigenkreationen mit so augenzwinkernden Namen wie "Gintelligence" oder "Klaus of Pain". Stilistisch bevorzugt mit Silberschmuck und Tattoos.

So viel Persönlichkeit verträgt auch bei der Bar-Uniform eine klare Handschrift, meint Rainer: "Hannes Roethers Stil passt wie die Faust aufs Auge hier hin." Der Münchner Designer entwickelt jedes Teil, vom Shirt bis zur Schürze, bezieht alle Lasten des Bar-Jobs mit ein und setzt – klar – auf Schwarz. Darunter auch die Weste Jura, in deren Außentaschen auf Bauchhöhe das Portemonnaie abtaucht oder auch mal ein Reserviert-Schild. Die Brusttasche ist innen zum Knöpfen, damit Block, Stift und Visitenkarten nicht rausfallen. Der derbe schwarze Baumwollstoff und der Lederbesatz sind robust genug für die Schicht bis nach Mitternacht – und den letzten Drink mit den Kollegen. "Unter die Weste passt ein Hemd mit Krawatte genauso wie ein Shirt oder Longsleeve" erzählt Rainer, in dessen privatem Kleiderschrank neun von zehn Teilen aus Roethers Designerschmiede stammen.

Der Bar-Chef, dessen "St." im Namen für Stephan steht, der sich selbst aber gerne "Strainer" rufen lässt (wie das englische Siebwerkzeug zum Ausgießen der Drinks), ist nicht nur einer der bekanntesten Bartender Deutschlands. Nebenbei ist er Produzent von Shakern und Löffeln, häufig Juror bei internationalen Cocktail-Wettbewerben und nicht zuletzt Autor. In seinem Buch "Cocktails. Die Kunst, perfekte Drinks zu mixen", gibt Strainer einen stil- und geschmacksicheren Einblick in die aktuelle Bar-Kultur, hat Eigenkreationen und Klassiker mit besonderem Twist sorgfältig kuratiert und liefert Tipps, wie man sich diese auch zu Hause ins Glas holt.

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