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    Der "Stecher von St. Pauli".

    Das Museum für Hamburgische Geschichte würdigt Tattoolegende Christian Warlich. Die sehenswerte Ausstellung läuft noch bis 25. Mai 2020.
    Christian Warlich tätowiert Karl Oergel, ca. 1930. Foto: SHMH.

    Tattoos – man kann sie mögen oder nicht. Sie sind mitnichten eine Begleiterscheinung unseres visuell geprägten digitalen Zeitalters. Schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts erlebt die Praxis der Tätowierung in der westlichen Welt eine regelrechte Blüte. Dass die Hautbilder ursprünglich nur Seeleuten, Kriminellen oder der sozialen Unterschicht vorbehalten sind – ein Irrtum. In Metropolen wie London, New York und weiteren großen Hafenstädten haben renommierte Tätowierer Mühe, die große Nachfrage aus allen Gesellschaftsschichten zu bedienen.

    Warlich im Tätowierbereich seiner Gaststättte auf St. Pauli, ca. 1936. Foto: Erich Andres, SHMH.

    Einer der spannendsten und vielseitigsten Tattoo-Künstler des 20. Jahrhunderts ist Christian Warlich, der in der internationalen Szene bis heute als "König der Tätowierer" gilt. Ein halbes Jahrhundert, von der frühen Weimarer Republik bis zu seinem Tod im Jahr 1964, ist Warlich als Tattoo-Pionier und als Gastronom in einer Kneipe auf St. Pauli tätig, die er als eines der ersten "Ateliers für moderne Tätowierungen" betreibt. Für gewöhnlich ist das Tätowieren zu der Zeit häufig eine mobile Tätigkeit unter einfachen Umständen: Tattoos werden in Parks, auf Schiffen oder Jahrmärkten angefertigt.

    Warlich zeigt Kunden sein Vorlagealbum, ca. 1936. Foto: Erich Andres, SHMH.

    Im Laufe der Jahre verlagert sich der Fokus von Warlichs Tätigkeit als Gastronom: Laut eines Zeitzeugen war sein Geschäft auf der Kieler Straße 44 (seit 1948 Clemens-Schultz-Straße) zunächst eine "Kneipe mit ein bisschen Tätowierbetrieb und später ein Tattoo-Geschäft mit ein bisschen Kneipenbetrieb". Bei einem Glas Grog blättert Warlich gemeinsam mit seinen Kunden im Musterbuch. Inspiriert von der Formensprache asiatischer Tätowierungen, von Motiven der amerikanischen Populärkultur, aber auch von Sujets der europäischen Kunstgeschichte, entwickelt Warlich einen eigenen signifikanten Stil. Sein Vorlagealbum ist das wohl bekannteste Dokument der deutschen Tätowiergeschichte und bis heute eine Inspirationsquelle für Tätowierer weltweit.

    Warlich-Flash-Blatt, 1930er Jahre. Privatammlung William Robinson, Hamburg.

    In der Sammlung des Museums für Hamburgische Geschichte befindet sich ein weltweit einzigartiges Konvolut aus dem Nachlass von Warlich, das die Basis für die Sonderausstellung "Tattoo-Legenden. Christian Warlich auf St. Pauli" bildet. Der Besuch lohnt sich!

    Museum für Hamburgische Geschichte
    Holstenwall 24
    20355 Hamburg

    Öffnungszeiten
    Montag von 10 bis 17 Uhr
    Dienstags geschlossen
    Mittwoch bis Freitag von 10 bis 17 Uhr
    Samstag und Sonntag von 10 bis 18 Uhr

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