Todesmutige Typen.

Eine glänzende Salzkruste bis zum Horizont, fünf Meilen endloses Weiß. Vor einem liegt eine lebensfeindliche, fast unwirkliche Welt. Die Luft ist staubtrocken und es fühlt sich an, als zöge das Salz die letzten Tropfen Flüssigkeit aus dem Körper. Am Tag fast 40 Grad heiß, in der Nacht empfindlich kalt. Nur eine Spezies braucht genau das zum Leben: Amerikas Tempo-Freaks.

Seit mehr als 100 Jahren geht es auf dem flockigen Untergrund des prähistorischen Salzsees von Bonneville, im US-Bundesstaat Utah, um Höchstgeschwindigkeit, um Adrenalin, um Ruhm und Ehre. Jedes Jahr, wenn das Salz trocken genug ist, treten bei der "Speed Week" rund 1.500 Vehikel, futuristische Raketenautos und Höllenmaschinen, gegeneinander an. Mit bis zu 690 Stundenkilometer gleiten sie über den Salzspiegel. Und wer einmal da war, der kommt immer wieder. So wie die PS-verliebte Hamburgerin Alexandra Lier. 1999 war die Fotografin erstmals live beim Rennen dabei und hat seither keine "Speed Week" mehr verpasst. In zwei Fotobänden ("The World’s Fastest Place" und "Speedseekers") hat sie den Geist des PS-Spektakels eingefangen und die todesmutigen Typen portraitiert.

Aktuell läuft ein neues Projekt. Gemeinsam mit Benzin-Schwester Laia Gonzalez dreht sie den Dokumentarfilm "The World's Fastest". Mit der Dokumentation setzen die beiden Frauen den Vollspeed-Legenden von Bonneville ein Denkmal. Denn die Racing-Szene des Salzsees wird es schon in wenigen Jahren nicht mehr geben: Der Salzsee verschwindet allmählich und mit ihm seine Helden. Sie sind inzwischen um die 80 Jahre alt und schlüpfen noch immer in ihre Rennmaschinen, die sie mit der Hand, dem Herzen und jahrzehntelanger Erfahrung selbst bauen. Auflagen, weder im Design noch beim Antrieb, gibt es keine. Es ist die reine Form des Rennens, die hier zelebriert wird.

Alexandra und Laia begleiten in dem Film die letzten Überlebenden einer bedeutenden Renntradition. Es sind inspirierende Kerle, die Benzin atmen und deren Hände wohl nach Öl riechen. Der Film hält das rennerfüllte Leben dieser Männer, die kurze Restzeit, die ihnen noch bleibt, die intensive Vorbereitung vom Anlegen der ersten Schraube bis zum Überqueren der Ziellinie fest. Wann der Film, der sich durch Crowdfunding finanziert, Premiere feiert, ist noch nicht bekannt.

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