20 Jahre auf der Suche nach sich selbst.

    Zwei Jahrzehnte lang reist der amerikanische Künstler Young Kim quer durch die Welt. Immer im Anzug. Immer auf der Suche nach der eigenen Identität. Er nennt sich selbst nach seiner Garderobe: Suitman.

    1. Suitman in Altadena, Kalifornien.* 2. Suitman in Addis Abeba.*

    Kim hält sein dauerndes Unterwegssein im feinen Zwirn fotografisch fest. Die Tausenden Bilder zeigen ihn mit mongolischen Pferden, mit indischen Kindern vor dem Taj Mahal, auf einem Bahngleis im japanischen Nagano oder vor antiken Tempeln in Athen. Stets in Sakko und dazu passender Hose. In diesen Kulissen trägt niemand sonst Anzug. Warum also das Ganze? Eigentlich kann Kim dem schicken Zweiteiler nichts abgewinnen. In seinem Job als Werbeberater gehört der Anzug allerdings zum verbindlichen Auftritt. Um seine Abneigung zu überwinden, beschließt der in Südkorea geborene Künstler irgendwann in den 1990er Jahren, ab sofort täglich in den Anzug zu steigen. Geschäftlich sowieso, nun auch privat und auf Reisen. Samstags wie sonntags.

    1. Suitman vor Tempeltrümmern in Athen.* 2. Suitman vor dem Taj Mahal.*

    Als Zehnjähriger kommt Kim mit seiner Familie in die USA. Er geht in Boston zur Schule, studiert später Kunst und Design und arbeitet als Marketingstratege. Dem Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL verrät er, als Kind alles dafür getan zu haben, sich anzupassen und amerikanisch zu sein – "doch ich sah nun mal anders aus." Mit dem Anzug entscheidet er sich später bewusst für die Abgrenzung und geht auf allen Kontinenten auf Identitätssuche. In Japan und Korea dann das Erweckungserlebnis. Hier passt sein Gesicht zwar in die Umgebung, aber die Menschen, die ihn ansprechen, wundern sich, dass er ihre Sprache nicht spricht. Der Reisende verliert das Bedürfnis, sich anpassen zu müssen, einer Gemeinschaft zugehörig zu sein und schafft sich seine eigene Welt. Kim macht sich als Suitman selbst zur Marke. Und am Ende findet er sogar noch eine neue Heimat – in Hongkong, wo es laut Kim egal sei, ob man weiß ist, asiatische Gesichtszüge habe oder von wo auch immer man käme. Die Geschichte des Suitman hat uns übrigens zu einem Anzug inspiriert, der für all jene gemacht ist, die täglich einen Zweiteiler tragen – beruflich oder privat, auf Reisen, mit oder ohne Botschaft. Einfach gut angezogen.

    Mehr über Suitman.


    *alle Bilder, Quelle: SPIEGEL ONLINE.

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