Platz für Experimentelles.

    Berlins neuer heißer Ort für die Kunstszene befindet sich ausgerechnet an der Ecke Potsdamer Straße/Kurfürstenstraße. Dieser Flecken hat sich in der Vergangenheit selten verdächtig gemacht, Heimat der Kreativszene zu sein.

    Der Projektraum PS120, benannt nach den Initialen der Straße nebst Hausnummer, hat seit diesem Jahr geöffnet. Über ein unauffälliges Treppenhaus ist der Ausstellungsraum zu erreichen. In den 250 Quadratmetern sollen künftig junge Talente auf Kunstgrößen treffen, wie Gründer und Kurator Justin Polera kürzlich in einem Interview verriet. Seiner Meinung nach fehlte bisher ein junger Raum in der Hauptstadt, "der als Katalysator funktioniert". Im Unterschied zu Museen, Privatsammlungen, Institutionen und Galerien kann PS120 schneller agieren und beispielsweise Kunstwerke ausstellen, die gerade frisch aus dem Atelier kommen. Das bietet viel Platz für Experimentelles. Und das hat Tradition in Berlin.

    PS120 gehört zu den jüngsten Erben des legendären Autocenter, das nach mehreren Umzügen 2015 geschlossen wurde, und dessen Geist die kreative Szene in Berlin maßgeblich prägte. Lauschen Sie unbedingt den Schilderungen eines Beteiligten, der von den beginnenden Nullerjahren auf der Haasestraße in Friedrichshain berichtet. Gekennzeichnet von Verwilderung und Graffiti war dies kein Ort für Touristen – aber dank niedriger Mieten und der Rauheit der Gegend ein Paradies für Künstler. Genau hier wurde in einer Garage das Autocenter geboren, das die Bühne bot für Happenings von Jonathan Meese und weiteren zeitgenössischen Künstlern.

    Verteilt über die gesamte Republik schaffen es aktuell neue ungewöhnliche Kunsträume sich abseits der gängigen Praxis zu etablieren. In Hamburgs Trommelstraße 7 gibt es den 8. Salon – beherbergt in den Räumen der ehemaligen Stadtteilbibliothek in St. Pauli. Im 8. Salon versuchen die Betreiber die Grenzen zwischen Produktion, Forschung und Präsentation durchlässiger zu machen.

    In München setzt der Kunstraum BNKR auf der Ungererstraße neue Impulse im Kunstdiskurs. Der BNKR befindet sich in einem Hochbunker aus dem Zweiten Weltkrieg, der zu einer Luxuswohnstätte mit eigener Kunsthalle gereift ist. Gegründet 2014, ist der BNKR weder Ausstellungsraum noch Plattform, weder Denk- noch Erlebnisraum, er ist alles zugleich – und einen Besuch wert, wenn Sie in der Stadt sind.

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