Das Original unter den Fliegerjacken.

    Die Jacken werden modisch wieder kürzer – kein Wunder, dass die Legenden unter den Biker- und Fliegerjacken wieder auf den Plan treten. Und davon gibt es nicht viele – denn zur Legende wird man gemacht durch Menschen, Zufälle und manchmal eine Spur Tragik. Eine der ganz großen Legenden unter den Fliegerjacken ist das Pilote Jacket von Schott 1913, das immer wieder weiterentwickelt wurde und dessen typischer Fellkragen heute nicht mehr echt und mit 40 % Kaschmir ist. Ihr kurzer Schnitt und die engen Strickbündchen verhinderten früher, dass die Piloten an den Instrumenten hängenbleiben, heute dass der Wind nicht so durchpfeift.

    Aktuell ist sie angesagt wie selten. Zeitgeist und Mode verhalfen ihr vom Stadion auf die Laufstege, vom No-Go zum Must-Have. Getragen wird sie am besten mit Jeans (muss nicht eng sein) oder Stoffhose, Hemd und oder Pullover. Dazu wintertaugliche Stiefel oder Boots – fertig.

    Die Ur-Bomberjacke ist übrigens aus Pferdeleder – und wir verdanken sie dem Militär. Da es für die Kampfpiloten immer höher ging und das schwere Leder bei niedrigen Temperaturen gefrierte, bestellte die US-Airforce Ende der Vierzigerjahre einen Nachfolger. Beim Material fiel die Wahl auf Nylon, weil es auch unter dem Gefrierpunkt noch geschmeidig bleibt und dabei warm hält.

    Über die US-Luftwaffe, wo sie bis in die frühen Neunzigerjahre zur Standardausrüstung gehört, bleibt sie durch eine Handvoll Rapmusiker im Gespräch: Eazy-E, Naughty by Nature tragen sie auf der Bühne. Jahrzehnte zuvor schraubt bereits Stilikone Steve McQueen am Coolnessfaktor der Pilotenjacke ("The Great Escape", 1963). Parallel dazu tragen britische Skinheads, die nicht mit Neonazis zu verwechseln sind, sondern Anhänger einer proletarisch eingefärbten Gegenkultur sind, ihre häufig weinroten Pilotenjacken als Abgrenzung zu den Mods in ihren etwas mondäneren Harrington-Jacken.

    Anfang der Nullerjahre verirrt sich der Bomber in die rechte Ecke und lange scheint ihm das Gewaltpotential eingenäht wie ein zweites Futter. Erst Designer wie Raf Simons, aufgewachsen in der belgischen Punkszene der 1980er Jahre und bekannt dafür, mit seiner Mode gerne die Subkulturen zu zitieren, entdeckt die Klasse der Bomberjacken wieder und holt sie zurück ins gesellschaftlich etablierte Leben. Mittlerweile gehört der Bomber uns allen – mit Haltung getragen, aber ohne jede politische Absicht.

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