Barbaren in Japan.

    1543 werden portugiesische Kaufleute auf einem in Seenot geratenen Segelschiff vor der japanischen Küste gerettet. Zum Dank verteilen die Iberer einige Gewehre an ihre einheimischen Retter. Diese Geste der Aufmerksamkeit gilt als Beginn der Geschichte von Feuerwaffen in Japan. Zudem ergibt sich aus dieser ersten überlieferten Begegnung und der sich wenige Jahre später ereignenden Anlandung des Jesuiten Francisco de Xavier ein steter euro-japanischer Austausch. Denn auf weitere Missionare folgen auch weitere portugiesische Kaufleute, denen der Sinn steht nach Geschäften im Land der aufgehenden Sonne.

    Die Neuankömmlinge werden von den Einheimischen hinter vorgehaltener Hand als 'Nanban' bezeichnet. Das ist wenig schmeichelhaft, lässt sich der Begriff doch am ehesten mit "Barbar aus dem Süden" übersetzen. In einer zeitgenössischen Mitschrift soll es geheißen haben:

    Sie aßen mit den ihren Fingern anstatt mit Stäbchen, wie wir sie benutzen. Sie zeigen ihre Gefühle ohne jede Selbstkontrolle. Sie können die Bedeutung von Schriftzeichen nicht verstehen.

    Diese Beobachtungen bezogen sich vermutlich auf die Manieren der Seeleute, die wenig kultiviert auftraten. Umgekehrt wird der kulturelle Gegensatz von Asien und Europa für einiges Unverständnis auf portugiesischer Seite gesorgt haben. Nichtsdestotrotz dauern die Handelsbeziehungen zwischen Portugal und Japan letztlich fast 100 Jahre – und enden mit der Vertreibung der Iberer 1639. 

    Während der Epoche des sogenannten Nanban-Handels lassen japanische Maler und Kunsthandwerker den europäischen Einfluss in ihre Arbeiten diffundieren. Es sind christliche und westlich-weltliche Themen ebenso Bilder und Objekte, die die Portugiesen in Japan zum Sujet haben. Nanban-Kunst entwickelte sich irgendwann sogar zum eigenen Gattungsbegriff. Besonders augenscheinlich ist die heute häufig überzogen wirkende Darstellung der langen Nasen und der sehr weit ausgestellten Hosen der Portugiesen. Typisch für die Nanban-Kunst sind weiterhin Karacken-Motive, Handels- und Tauschszenen sowie Land- und Seekarten.

    Die Designer von Portuguese Flannel ließen sich jüngst von dieser Kunst inspirieren und setzten ein Stück des japanischen Nanbans auf locker fließende Viskose. Dieses Hemd mit Segelschiff, Missionaren und Reitern würdigt nicht nur den Handelsgeist beider Länder, sondern auch den Sommer 2019. Einfach gut angezogen.

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