Mey & Edlich Film-Tipp.

    Wes Andersons Animationsfilm "Isle of Dogs – Ataris Reise" eröffnete dieses Jahr die Berlinale, feierte dort seine Weltpremiere und läuft nun endlich auch in den deutschen Kinos. Die Hunde-Heldengeschichte ist eine Fabel auf die Unerwünschten dieser Welt. Im Film sind es die sprechenden Vierbeiner um den Streuner Chief, der gemeinsam mit Rex, King, Duke und Boss ein Rudel unverwüstlicher Alphahunde bildet. Sie wollen es sich nicht gefallen lassen, wie alle anderen Hunde auch, vom korrupten Bürgermeister Kobayashi aus dessen Megasaki City, einer japanischen Kulisse in 20 Jahren, verbannt zu sein und auf ihr Ende auf Trash Island zu warten. Kobayashi schickt die Hunde, unter dem Vorwand sie würden Krankheiten übertragen, auf die Insel, die so unwirtlich ist wie sie klingt: die Exilkolonie ist eine riesige Müllkippe. Unter den Unerwünschten befindet sich auch der Hund des zwölfjährigen Atari, Ziehkind des Bürgermeisters. Atari reist seinem Hund auf Trash Island nach und wird bei seiner Suche nach Spots von dem unerschrockene Fünferrudel unterstützt.

    Gedreht wurde der Film im Stop-Motion-Verfahren. Jede Szene ist extrem aufwendig von Hand mit Puppen nachgestellt und Bild um Bild in Millimeterbruchteilen verändert – beim Abspielen entsteht der Eindruck fließender Bewegungen. Fantasievoll begegnen sich in dem Film Retro-Charme mit Trash-Ästhetik, ohne aber in japanische Folklore abzudriften. Erkennbar sind die Anleihen, die Anderson stilistisch beim japanischen Filmregisseur Akira Kurosawa genommen hat. Freimütig gibt er zu, dass ihn "Engel der Verlorenen", "Die Bösen schlafen gut" oder aus "Godzilla" stark inspiriert haben.

    Andersons Film ist weit mehr als ein Abenteuerfilm, in dem sich der Junge Atari mit sprechenden Hunden auf eine epische Reise begibt. Die politische Dimension ist ein dickes Brett: Migration, Xenophobie, Machtgier und das Schüren von Angst, das alles greift der Film auf. Und nur wenigen anderen Filmemachern wäre es gelungen, dies in eine derart sehenswerte Fabel zu verpacken, in der die wahren Helden keine Herrchen sind, sondern die Situation reflektierende Hunde, die hier nicht ganz zufällig immer menschlicher wirken als die Menschen selbst.

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