Kennen Sie Lucky?

Immer gut gelaunt: Designer Gerardo Valentino de Luca.
Immer gut gelaunt: Designer Gerardo Valentino de Luca.

Ehe man ihn sieht, hört man schon sein herzhaftes Lachen. Gerardo Valentino de Luca ist der kreative Kopf der Marke Lucky de Luca. Er macht ausgefallene Hemden und unter dem Label Barb’one die Hosen mit dem geschützten Streifen. Der Sohn einer Schneiderin und eines Bildhauers kommt Anfang der 1970er Jahre in der Nähe von Neapel zur Welt, wächst in New Yorks Little Italy auf und kehrt als junger Mann zurück nach Europa. Sein Spitzname "Lucky" ist die Reaktion der Eltern auf das immer glücklich lächelnde Kind. Bis heute wird er von den meisten Menschen in seinem Umfeld so gerufen. Der Mann ist genauso spannend wie seine Mode, finden wir. Und haben deshalb unser letztes Gespräch einfach mal verschriftlicht.

Lucky, was hast du eigentlich gemacht, bevor du Mode entworfen hast?
Im Sommer stand ich als Surfer auf dem Wasser, im Winter ging ich als Snowboarder in die Berge – es war ein bisschen mehr als ein Hobby. In meinen Zwanzigern war ich immer viel unterwegs, habe unter anderem auf einer Plantage auf Bali Mangos gepflückt und zog einen Bollerwagen hinter mir her, aus dem heraus ich Sonnenöl an Touristen verkauft habe. Es war eine verrückte Zeit
(lacht). Zum Studieren kam ich erst gar nicht. Ich bin Autodidakt und habe dann angefangen, freiberuflich als Designer zu arbeiten für verschiedene italienische Labels. Ein eigenes Label zu gründen, stand lange gar nicht auf meinem Zettel.

Was hat dann den Ausschlag gegeben?
Bei vielen Modemachenden vermisse ich die Leidenschaft für besondere Stoffe, ausgefallene Details und einen eigenen Stil. Sie sind häufig eingeschränkt durch irgendwelche Ertragsziele, rechnen eher alles runter, anstatt ihrem Wirken freien Lauf zu lassen. 2008 habe ich dann mit Lucky de Luca mein eigenes Label gegründet, weil ich Spaß habe an hochwertigen italienischen Stoffen, nicht ganz alltäglichem Design und zeigen wollte, dass man das alles auch mit fairer Produktion hinbekommt – ohne Masse zu machen. Ich setze auf Bio-Baumwolle und bin immer im direkten Kontakt mit den Herstellern, was der Qualität gut tut.

Später kommt mit Barb’one eine weitere Marke dazu, unter der er ausschließlich Hosen produziert. Die Hosen sind wie die Hemden typisch "Lucky": mit viel Farbe und feinen Details. Und mit genau dieser Mode scheint der Designer gerade den Nerv der Männer zu treffen.

Was sind die entscheidenden Faktoren für gutes Design in der Männermode?
Lässig und individuell daherzukommen sind für mich die entscheidenden Faktoren. Mir gefällt es, dem Einheitslook eine Alternative zu geben und Trends einfach mal Trends sein zu lassen. Der Seitenstreifen der Barb’one-Hosen ist zum Beispiel technisch für eine Hose nicht notwendig, sieht aber einfach gut aus. Er unterstreicht den persönlichen Stil.

Gibt es ein bestimmtes "Gefühl", das du dem Träger von Lucky de Luca-Mode vermitteln möchtest?
‚Be yourself and live your dream‘, bringt es ganz gut auf den Punkt. Männer, vor allem hier in Deutschland, sollten sich einfach häufiger über Konventionen hinwegsetzen. Mir gefällt es, wenn ich sehe, dass Typen, die ein bisschen unangepasster sind, Lucky de Luca tragen – bekannte Schauspieler zum Beispiel, für die der rote Teppich nicht so wichtig ist.

In den aktuellen Hemden kommt Einiges aus Luckys Biografie zusammen: das Faible für raubeinige Kerle wie Hollywood-Legende Steve McQueen, das Feingeistige italienischer Universalgelehrter und der New Yorker Urban Lifestyle, der ihn früh prägte.

Was inspiriert dich zu deiner Mode?
Ich bin viel unterwegs – 150 Tage im Jahr reise ich in die USA, an die Westküste genauso an die Ostküste, verbringe viel Zeit in Italien, schaue mir meine Umgebung immer genau an. Ich spreche vier Sprachen nahezu aktzentfrei: Auf den Straßen, in Cafés und in Strandbars komme ich ins Gespräch mit Einheimischen und anderen Weltenbummlern, sehe und höre, was sie so umtreibt – das inspiriert mich.

In dem Design-Büro in Carpi, Modena, setzt Lucky seine Ideen um. Das administrative Geschäft läuft über München. Für Hobbys bleibt bei dem ganzen Hin und Her nur wenig Zeit. Auf die Bretter schafft er es lediglich fünf Tage im Jahr zum Surfen vor Fuerteventura und fünf Tage zum Snowboarden im Zillertal.

Dennoch. Womit beschäftigst du dich, wenn es mal nicht um Mode geht?
Ich sammle leidenschaftlich gern alte Uhren und Autos – echte Liebhaberstücke. Besonders das Design und die Technik der Sportwagen aus den 1960er Jahren haben es mir angetan. Von München aus nehme ich häufig den Autozug bis Verona. Es gibt fast nichts schöneres, als im Cabrio durch die Toskana zu fahren.

Wer so zur Arbeit kommt, muss ansteckend gute Laune haben. Und so endet das Gespräch wie es begonnen hat: mit einem fetten Grinsen.

Nach oben
.