Mey & Edlich Kultur-Tipp.

Illustrator und Trickfilmer Nils Knoblich hat sich am Eröffnungswochenende in den, wie er selbst sagt, "Kunstrausch" der documenta 14 gestürzt. Der Absolvent der Kunsthochschule Kassel war während der documenta 13 als Offspace-Betreiber aktiv und kehrte nun zurück in seine ehemalige Studentenstadt. Für die Freunde von Mey & Edlich hat er seine persönliche Top Five der Schau zusammengestellt.

Illustrator und Trickfilmer Nils Knoblich.
Illustrator und Trickfilmer Nils Knoblich.

1.) Im Keller des Fridericianums zeigt der Amerikaner Ben Russel, bekannt für Filme zwischen experimentellem Kino und spekulativer Ethnografie, seine beeindruckende Vier-Kanal-Video-Installation "Good Luck". Die Arbeit widmet sich den sozialen Implikationen und globalen Dimensionen der Gewinnung von Bodenschätzen. Der Film vergleicht die Situation von Arbeitern in einer illegalen Goldmine in Surinam (Südamerika) mit den Arbeitern einer staatlichen Kupfermine in Serbien. Der Betrachter steht mitten im ohrenbetäubenden Geschehen.

2.) In der documenta-Halle hat Alvin Lucier für seine Installation "Sound on Paper" verschiedene Papiersorten auf Holzrahmen gespannt. Tiefe Sinustöne aus dahinterliegenden Lautsprechern versetzen die Blätter in hörbare und sichtbare Schwingungen. Jedes Papier reagiert anders auf die Signale. Simpel, aber wunderbar!

Hiwa K, When We Were Exhaling Images, 2017.
Hiwa K, When We Were Exhaling Images, 2017.

3.) 20 aufgestellte Kanalbetonrohre auf dem zentralen Friedrichsplatz sehen von weitem aus wie Baustelleninventar – und wirken aus der Nähe irritierend wohnlich. Der irakische Künstler Hiwa K ließ die zehn Meter langen Rohre mit Matratzen ausgelegen, Waschbecken installieren und Bücherregale eingesetzen. In Griechenland sah Hiwa K Flüchtlinge, die in solchen Rohren lebten. Mit seiner Installation klagt er nun die Ignoranz einer, wie er sagt, vertikal nach Macht strebenden Mehrheit gegenüber einer ausgegrenzten Minderheit, die im Horizontalen lebt, an.

4.) In der Neuen Galerie, Schöne Aussicht 1, bespielen unter anderem Anni Sprinkle und Beth Stevens einen Raum. Die beiden Amerikanerinnen re-erotisieren die Welt. Liebe wird hier politisch, ökologisch, künstlerisch.

5.) Ebenfalls in der Neuen Galerie zu sehen: Arbeiten von Lorenza Böttner (1959–1994), sozusagen ein Hidden Champion der Malerei und Performance-Kunst. Als Kind verlor sie bei einem Unfall beide Arme, absolvierte ein Kunststudium in Kassel und verteidigte Zeit ihres Lebens die kunstgeschichtliche Bedeutung von Mund- und Fußkunst. Die Galerie zeigt Skizzen und Fotos von Böttner sowie ein überdimensionales Portrait eines lächelnden Frauengesichts – entstanden aus Fußabdrücken. Die Präsentation ist extrem gelungen.


1. Lorenza Böttner, Selbstportrait + Detail.

Tipps rund um die Kunst: Für das Frühstück empfiehlt Knoblich die Markthallen – typisch nordhessisch Ahle Worscht und Brötchen beim Käpt'n, Wildemannsgasse 1. Echten italienischen Cappucino gibt's bei Antonio Busuito im Obergeschoss. Abends lässt es sich am besten am Buga-See entspannen, nahe der Karlsaue. Gut gelaunte Gäste treffen sich im Weinbergkrug, Frankfurter Str. 54.

Mehr über Nils Knoblich: www.nilsknoblich.com

Anreise / Adresse:
documenta 14 Büro, Friedrichsplatz 18, 34117 Kassel

Termine:
10. Juni bis 17. September 2017

Öffnungszeiten:

Täglich 10 bis 20 Uhr

Eintrittspreise:
Die Tageskarte kostet 22 Euro / ermäßigt 15 Euro. Die Zweitageskarte gibt es für 38 Euro / ermäßigt 27 Euro. Die Familienkarte gibt es für 50 Euro. Kinder bis zehn Jahre zahlen nichts. Ab 17 Uhr gilt die Abendkarte für 10 Euro / ermäßigt 7 Euro.

Karten online bestellen.

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