Kuba erleben.

    Kaum ein Land weckt durch Bilder so starke Sehnsüchte wie Kuba. Es ist abgenutzt und trotzdem prächtig, heruntergekommen und dabei voller Würde und meistens heiter. Und es lohnt sich, den Charme dieses widersprüchlichen Landes einmal selbst zu erleben. Am besten mit dem Rucksack und zwei Wochen Zeit im Gepäck, denn Kuba ist mehr als Havanna. Wenngleich hier unsere Route durch den Westen der Insel beginnt.

    3. Havannas morbider Charme in leuchtenden Farben.

    Ein Stadtspaziergang durch Habana Vieja, das historische Herzstück der Stadt, ist ein guter Einstieg. Habana Vieja ist gespickt mit architektonischen Schmuckstücken aus allen Epochen – von Barock bis Art déco. Der gemütliche Weg zwischen den vier Hauptplätzen Plaza de Armas, Plaza Vieja, Plaza de San Francisco de Asís und Plaza de la Catedral ist nicht länger als zwei Kilometer, füllt aber aufgrund der vielen Museen, Geschäfte, Bars und Straßenkünstler locker einen ganzen Tag. Ein Tipp für den Perspektivenwechsel: An der Nordwestecke der Plaza Vieja haben Sie auf dem 35 Meter hohen Turm die Möglichkeit zum 360-Grad-Rundumblick auf die ganze Stadt. Von hier oben beobachten Sie, dass das Leben im Zentrum Havannas unbeeindruckt von Besuchern und den Ablenkungen des Technikzeitalters seinen gewohnten Gang geht – es ist voll und quirlig.

    1. Havanna von oben. 2. Der Malecón am Abend.

    Havannas berühmte Uferpromenade Malecón ist der richtige Ort, um den Sonnenuntergang zu genießen, vielleicht mit einer Mojto oder einem Cuba Libre in der Hand und dem Gefühl, dass nach dem Verschwinden der Sonne nichts unmöglich scheint. Die verlotterte Pracht des Malecóns erstreckt sich zwischen Habana Vieja und Miramar und dient unzähligen verliebten habaneros als vertrauter Wohnzimmersatz. Hier sind Sie nie allein, was aber nicht stört.

    Die Hektik der Großstadt vergessen Sie, sobald Sie mit einem der öffentlichen Busse von Víazul in westlicher Richtung in die Region rund um das Valle de Viñales fahren. Hier können Sie einige Tage wandern, höhlenklettern, radfahren (die Umgebung ist zwar bergig, aber die meisten Straßen folgen dem Verlauf der Täler und sind relativ flach), reiten und dabei der rauchigen Spur einer feinen Zigarre folgen: Sie befinden sich schließlich im ertragreichsten Tabakanbaugebiet der Welt. Überall auf dem derben Flickenteppich aus fruchtbaren, rostroten, von Pflügen zerfurchten Feldern befinden sich die strohgedeckten Trockenscheunen der Tabakhäuser. Besuchen Sie unbedingt eine der Tabakplantagen. Näher als hier kommen Sie dem Geheimnis der gerollten Blätter wohl nicht.

    Wer das echte Leben der Kubaner spüren möchte, sollte während seiner gesamten Reise auf Hotels verzichten. Es gibt private Alternativen. Denn seit die Kubaner sich von Zensur und Totalitarismus befreit haben, bieten sie in ihren privaten Unterkünften, den Casas particulares, Gästen ein temporäres zu Hause. Darin wohnen Sie mit Ihren Gastgebern häufig unter einem Dach, haben ein eigenes Zimmer und in der Regel ein eigenes Bad. Ihre Gastgeber sind oftmals wertvoller als jeder gebuchte Guide, wenn es um gute Tipps vor Ort geht.

    Vom naturschönen Viñales geht es nach drei Nächten (ein längerer Aufenthalt ist nicht nötig) weiter mit dem Bus für eine Nacht nach Cienfuegos. Die Stadt ist eine architektonische Liebeserklärung an den Klassizismus des 19. Jahrhunderts. Cienfuegos schmiegt sich um eine der schönsten Naturbuchten der Insel und besitzt dank dieser Lage ein maritimes Flair. Es wird auch "Perla del Sur" (Perle des Südens) genannt und aufgrund seiner französisch-freigeistigen Eleganz gerne mit Paris verglichen. Finden Sie heraus, ob Sie das genauso sehen. Es folgt die kurze Weiterfahrt nach Trinidad.

    1. Impressionen aus Trinidad.

    Trinidad wirkt, als habe es sich bereits 1850 schlafen gelegt und sei seit dem nicht mehr aufgewacht. Beeindruckend sind die vom Alter gezeichneten Straßen mit ihren Bauten im Kolonialstil. Trinidad ist beschaulich und wohl die verführerischste und besterhaltene Stadt in der Karibik. Der Ort ist jedoch längst kein Geheimtipp mehr (1988 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt), aber der Tourismus hat der Gemächlichkeit Trinidads keinen Abbruch getan. Das spüren Sie, wenn Sie durch die gewundenen Kopfsteinpflastergassen voller Landarbeiter, schnaubender Esel und gitarrespielender Troubadoure flanieren. Alle Wege der Stadt führen zur Plaza Mayor im Herzen des historischen Zentrums, wo sich zum Abend die Einheimischen treffen, es kleine Bars gibt und immer Musik gespielt wird. Ein Tipp für Wanderer: Nehmen Sie sich einen Tag Zeit für einen Ausflug in das Gebirge oberhalb der Stadt. Es ist eine der besten Wanderregionen Kubas. Wer gerne fotografiert, kommt bei einem Stadtspaziergang auf seine Kosten. Der frühe Abend ist eine gute Zeit, denn dann hüllt die untergehende Sonne die Straßenszenen, die man eher in den 1850er Jahren als heute erwarten würde, in ein weiches Abendlicht. Für den letzten Drink des Abends empfiehlt sich die Taberna La Bojita – hier hören Sie die vermutlich beste Hausband der Stadt, hier trifft Jazz auf Soul. Drei Nächte reichen auch für Trinidad vollkommen aus.

    Auf dem Weg zurück nach Havanna lohnt sich ein Stopp in der Provinz Villa Clara, genauer in Santa Clara. Die Region wird auf ewig mit Che Guevaras Vermächtnis verbunden sein, denn hier machte der Revolutionär den Weg frei für Fidel Castro. Zwar treffen Sie überall auf Kuba auf die Begeisterung für La Revolución, aber an keinem anderen Ort der Insel ist sie so spürbar wie hier. Nur zwei Kilometer vom Stadtzentrum entfernt befindet sich das große Che-Denkmal. Ob Che-Sympathisant oder nicht: Das superkulturelle Santa Clara ist auch Heimat der kubanischen Künstleravantgarde und damit unbedingt einen Besuch wert. Hier entstehen neue Trends, und es herrscht eine unstillbare Kreativität. Genießen Sie eine Auszeit auf dem Parque Vidal im Zentrum. Der Park ist ein wahres Freilichttheater – unterhaltend und abwechslungsreich.

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