Interaktion mit dem stillen Örtchen.

    Zugegeben, mit diesem Raum in einen künstlerischen Diskurs zu gehen, hat etwas Irritierendes. Vor allem in München, wo Raum bekanntermaßen sehr begehrt ist und architektonischer Freiraum noch viel seltener.
    Fotos: Anja Uhlig.

    Das KloHäuschen an der Thalkirchner Straße / Ecke Oberländerstraße ist die Herzenssache von Anja Uhlig. "Ursprünglich wollte ich selbst mein Atelier dort einrichten, aber als ich das Häuschen dann von innen sah, musste ich die Schönheit dieses Raums unbedingt auch anderen zugänglich machen."

    Der acht Quadratmeter große Innenraum ist fast bis zur Decke vanillegelb gekachelt. Darin sechs geschwungene Pissoirs, deren Stil an die Errichtung dieses Häuschens vor rund 100 Jahren erinnert – dazu ist eine Schutzwand aus Glasbausteinen integriert. Einst diente das Häuschen am Westeingang der Münchner Großmarkthalle denen, die dort zu tun hatten. Jahrzehnte schon ist es geschlossen, als Anja dem stillen Örtchen wieder Leben einhaucht und es umwidmet.

    Ihr Projekt nennt sie 'Maßnahmen zur Beseelung des KloHäuschens an der Großmarkthalle'. Gemeinsam mit ihren Gästen macht Anja das stille Örtchen wieder der Öffentlichkeit zugänglich, in dem sie mit dem Raum zusammenarbeiten. Das, was dann hier entsteht, changiert zwischen Performativem und Installativem. Anja hat schon mit Wissenschaftlern, Architekten, Musikern, mit Kreativen aus allen Lebens- und Arbeitsbereichen kooperiert, um Das KloHäuschen zu "beseelen".

    Wie das konkret aussieht: "Das KloHäuschen war schon mal Faultierkäfig, Ferienwohnung, Küchenstudio und wurde sogar schon zum Bulgarischen Pavillon der Venedigbiennale umfunktioniert." Aktuell gastiert Thorsten Fuhrmann an der Thalkirchner Straße. Der Künstler und Kurator "räumt auf", wie Anja uns ankündigt. Zusammen mit dem KloHäuschen setzt er sich diesem für gewöhnlich eher privaten Prozess öffentlich aus. Im Februar ist er drei Tage vor Ort. Bei dem Projekt AUFRÄUMEN wird er mitgebrachte Sentenzen, Ideen, Zitate und Fragmente aus unterschiedlichen Kontexten mitbringen. Der streng strukturierte Raum des KloHäuschens wird dann den Gegensatz zu seinen (noch) inhaltlich und thematisch ungegliederten Textfeldern bilden. In diesem Prozess könnte sich für Thorsten herauskristallisieren, was von dem Gesammelten wirklich bedeutend ist und was vielleicht schon unwichtig wurde. Für Thorsten, der hauptsächlich objekthaft arbeitet, ist die Auseinandersetzung mit dem KloHäuschen eine völlig neue Erfahrung.

    Das KloHäuschen entspricht nicht der klassischen Kulturinstitution. Es ist weder Galerie noch Museum und folgt auch keinem Profitgedanken. Hier wird nicht verkauft oder archiviert – hier wird vor allem interagiert. Oder wie Anja es ausdrückt: "Das Häuschen ist ein freier Raum, der bereit ist, sich hinzugeben und mit seinen Gästen zu spielen." Machen Sie also mit. Es gibt immer wieder Neues zu entdecken.

    DAS KLOHÄUSCHEN
    Thalkirchner Straße / Ecke Oberländerstraße
    Großmarkthalle Westtor
    81371 München

    Jederzeit von außen einsehbar.

    Weitere Tipps >Frankfurt >Berlin >Leipzig >Hamburg

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