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    Edgars Basskoffer.

    36 Jahre liegen hinter ihm. Sie sind nicht ganz spurlos an dem über einen Meter hohen Koffer vorbeigegangen. Gebaut wurde er seinerzeit in Bad Berleburg: schlicht verleimtes Sperrholz, verkleidete Kanten, genarbtes Leder. Damals einer von vielen, heute ein Basskoffer mit Historie. Über eine fast vergessene Geschichte NRWs und die des frühen Revoluzzers Edgar.

    1984 schnallt Edgar das erste Mal die drei Klappschlösser des Basskoffers auf. In den mit dunklem Samt ausgeschlagenen Koffer legt er seinen Kawai Bass. Ab jetzt beginnt das wahre Musikerleben. In Essen-Kray proben er und seine Band "Renegade" kostenfrei. Die ersten Wochen verbringt der Koffer fast ausschließlich auf dem Boden einer unbeheizten Scheune des wohl "geduldigsten Bauern der Welt" – weil er Krawall und Musik toleriert. Vielleicht aber auch, weil er Edgar ganz sympathisch findet. Und auch die Tatsache, dass er wenig später mit dem Basskoffer an der einen und seiner Tochter an der anderen Hand über den Hof spaziert. Aber das ist eine andere Geschichte.

    Edgar am Bass.

    Danach folgen die ersten Auftritte und die ersten Spuren eines bewegten Musikerdaseins. Schrammen, die das mahagonifarbene Leder prägen. Druckstellen, die unter dem Bassgewicht im Futtersamt entstehen. Eine Patina, der man jeden getragenen Kilometer ansieht und die insbesondere am Handgriff so geschmeidig ist, dass keine Maserung mehr erkennbar ist.

    Vorne prangt ein Sticker: "Wattenscheid statt Bochum". Edgar ist Wattenscheider – gebürtig und von Herzen. "Was denn sonst?" Ja, er war gegen die Eingemeindung von Wattenscheid. Anfang der 1970er skandiert er mit seinem Vater und dem Textilunternehmer Klaus Steilmann. Dass Edgar damit ein Teil des ersten Volksbegehrens in NRW ist, ist ihm damals nicht bewusst.

    Zu dem gelben Sticker auf der Front gesellen sich weitere auf der Rückseite. Das Wappen Wattenscheids (klar), Lebenseinstellung seines befreundeten Lederschneiders Peters  "Stark aus Leder" und ein Aufkleber von Greenpeace, der in den 1980ern nicht nur Edgars Basskoffer, sondern Laternen und Fassaden zierte.

    Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluß vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr merken, daß man Geld nicht essen kann.

    Sinngemäß stammen die Worte von einem Häuptling der Suquamish, die an den damaligen US-Präsidenten ging. Manche schreiben sie auch als Weissagung der Cree zu. 1979 macht sie dann eine Dortmunder Band im Song "Rauchzeichen" bekannt, der Text wandert in die Schulbücher, dann auf Edgars Basskoffer und ist heute aktueller denn je.

    Sakko.
    T-Shirt.
    Sneaker.
    Hose.

    Mittlerweile hat Edgar ein eigenes Herrenzimmer, in dem er seinen Basskoffer in Ehren hält. Aus dem Revoluzzer ist ein Architekt geworden. Gespielt habe er auf seinem Bass lange nicht mehr. Das überlässt er heute seinen Kindern – aber der Revoluzzer lebt fort.

    An dieser Stelle sagen wir danke Edgar, dass wir dieses wertvolle Stück mit zum Shooting nehmen durften. Und, dass du seine Geschichte mit uns geteilt hast. Inszeniert haben wir den Basskoffer übrigens im Industriegebiet Don Xuan Center in Berlin – ein echt schräger Ort, mit genauso vielen ehrlichen Ecken und Kanten wie der Basskoffer. Einfach gut angezogen.

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