Blick nach Kassel.

Der Parthenon aus verbotenen Büchern von Marta Minujín.
Der Parthenon aus verbotenen Büchern von Marta Minujín.

Schon vor der offiziellen Eröffnung hat die documenta 14 in Kassel ihr Wahrzeichen: Der Parthenon aus verbotenen Büchern von der argentinischen Performance-Künstlerin Marta Minujín aufgebaut in Originalgröße vor dem Fridericianum. Während der 100 Ausstellungstage könnte er zum meist fotografierten Motiv der weltweit wichtigsten Schau für zeitgenössische Kunst werden. Der Büchertempel ist für die Künstlerin Sinnbild der freien Meinungsäußerung, ein Zeichen gegen das Verbot von Texten und die Verfolgung ihrer Verfasser – errichtet auf historisch belastetem Boden.

Unverkennbar schlägt der Parthenon die Brücke zum anderen, dem ersten Ausstellungsort (Athen), wo sich seit April bereits Poesie und Politik im künstlerischen Diskurs die Waage halten. Minujíns Tempel aus zigtausend gespendeten Büchern ist monumental, bunt und gibt jedem Besucher die Möglichkeit, mit einer eigenen Bücherspende Teil der Arbeit zu werden.

„Kassel reibt sich jetzt den Schlaf aus den Augen“, erzählt uns einer, der es wissen muss. Illustrator und Trickfilmer Nils Knoblich hat an der Kunsthochschule Kassel 2012 seinen Abschluss gemacht und wurde zur documenta 13 einer der meistgeschätzten Gastgeber. Gemeinsam mit einigen Kommilitonen gründete er parallel zur documenta 13 einen unabhängigen Offspace (Tokonoma e.V.), der zur Vortrags- und Diskussionsplattform und „zur sympathischsten Theke der Stadt“ wurde, die nach dem täglichen Ausstellungsende fester Treffpunkt für zahlreiche documenta-Künstler, Kuratoren und Mitarbeiter war.

Nils Knoblich, Illustrator, Trickfilmer und unser Mann vor Ort am Eröffnungswochenende der documenta 14.
Nils Knoblich, Illustrator, Trickfilmer und unser Mann vor Ort am Eröffnungswochenende der documenta 14.

Dieses Mal kehrt Knoblich als Fachbesucher in seine einstige Heimatstadt zurück. Vom Kuratorenteam um den künstlerischen Leiter Adam Szymczyk erwartet er „frischen Gegen- und Rückenwind“. Er ist gespannt, ob sich die politische Dimension, die er schon vor wenigen Wochen beim Besuch in Athen erlebt hat, hier fortsetzt. Knoblich schwärmt von der Offenheit, der Leidenschaft und dem Dialog mit den Griechen. Athen, ein jahrtausendealtes Kulturzentrum, müsse jedoch in der zeitgenössischen Kunst seinen Weg von der momentanen Randständigkeit erst noch zurückfinden. „Vielleicht leistet Kassel hierzu einen Beitrag, wenn im Herzen der Ausstellung, im Fridericianum, rund 300 Werke griechischer, größtenteils unbekannter Künstler temporär Asyl finden“, so Knoblich. Die hier gezeigten Arbeiten stammen alle aus dem Athener EMST, dem Museum für zeitgenössische Kunst, und reflektieren die jüngere Geschichte der griechischen Metropole – von der Militärdiktatur bis zu den Auswirkungen der Finanzkrise.

Illustrator und Trickfilmer Knoblich wünscht sich neben einem stärkeren Dialog („Jede Stadt sollte eine Agora nach griechischem Vorbild haben.“), dass wie bereits im vergangenen documenta-Jahr 2012 versteckte Flächen im Stadtgebiet wieder sichtbar gemacht werden und mit den Bewohnern und den Ressourcen vor Ort agiert wird.
Die Fachbesuchertage und das komplette Eröffnungswochenende verbringt Knoblich in Kassel, wo er sich seinen Weg durch das diesjährige Programm mit 160 internationalen Künstlern bahnen wird und anschließend für die Freunde von Mey & Edlich seine persönlichen Empfehlungen zusammenstellt.


Anreise / Adresse:
documenta 14 Büro, Friedrichsplatz 18, 34117 Kassel

Termine:
10. Juni bis 17. September 2017

Öffnungszeiten:

Täglich 10 bis 20 Uhr

Eintrittspreise:
Die Tageskarte kostet 22 Euro / ermäßigt 15 Euro. Die Zweitageskarte gibt es für 38 Euro / ermäßigt 27 Euro. Die Familienkarte gibt es für 50 Euro. Kinder bis zehn Jahre zahlen nichts. Ab 17 Uhr gilt die Abendkarte für 10 Euro / ermäßigt 7 Euro.

Karten online bestellen.

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