Mey & Edlich Buch-Tipp.

Anja Förster und Peter Kreuz gehören zu Deutschlands renommiertesten Business-Querdenkern. Im Fokus ihrer Arbeit stehen die Spielregeln der Wirtschaft von morgen. Wortstark – mit provokativen Thesen und pointierten Beispielen – stiften Sie in Vorträgen und Büchern zum Andersdenken an. Wir sprachen mit den beiden über ihr neues Buch, über die Chancen, die sich abseits des Mainstreams befinden und dass "ganz okay" schon klinisch tot heißt.

Sie lieben die Provokation und fordern zum Andersdenken auf. Warum?
Anja Förster: In vielen Institutionen wird es tatsächlich als Provokation aufgefasst, selbständig zu denken und sich damit auch mal quer zum Mainstream zu stellen. Viel zu häufig werden Duckmäusertum und Durchschnitt statt Initiative und Kreativität belohnt und befördert.

Allerdings sind Menschen, die vom Mainstream abweichen auch schwieriger zu lenken. Das gefällt nicht jedem.
Anja Förster: Genau das führt zum gelebten Irrsinn, dass viele Chefs Ideenreichtum fordern, tatsächlich aber Anpassung belohnen. Das Prinzip der Evolution zeigt uns aber, dass Variantenreichtum und nicht Einheitlichkeit die Grundlage für Weiterentwicklung und Erfolg ist. Deshalb braucht jede Organisation Menschen, die interessante Ideen jenseits des Mainstreams entwickeln und vorantreiben.

Deutschlands Business-Querdenker Anja Förster und Peter Kreuz.
Deutschlands Business-Querdenker Anja Förster und Peter Kreuz.

Sie gelten als Management-Vordenker. Wie füllen Sie diese Rolle aus, ohne in Allgemeinplätze zu verfallen?
Peter Kreuz: Wir sind sehr viel unterwegs. Bisher haben wir siebzig Länder bereist und immer wieder treibt uns die Lust am Entdecken hinaus in die Welt. Reisen heißt, die Komfortzone zu verlassen und die Sinne für das Andere und Neue zu schärfen. Beruflich kommen wir mit vielen spannenden Unternehmern und Führungskräften zusammen ebenso wie mit inspirierenden Andersdenkern aus ganz anderen Bereichen wie Film, Architektur oder gestaltende Künste. All das gibt uns wichtige Einblicke in das Denken und die Weltsicht dieser Menschen, was wiederum in unsere Bücher, Vorträge und Workshops einfließt. Was ich faszinierend finde: Je mehr du unterwegs bist, je mehr du veröffentlichst, je mehr du redest, um so schärfer wird dein Verstand, um so mehr hast du zu sagen, um so mehr findest du über dich selbst heraus.

Ihr neues Buch heißt "Zündstoff für Andersdenker". Was ist ein Andersdenker?
Peter Kreuz: Im Kern ist es eine Haltung, ein grundlegender Wunsch, die Art zu verbessern, wie wir uns selbst, unsere Organisationen und unsere Produkte weiterentwickeln. Dieser Anspruch an mich selbst sollte als Primat über allen Handlungen liegen, denn ganz okay ist klinisch tot.

Welche Erfahrungen haben Sie mit der Bereitschaft zum Andersdenken in den Unternehmen gemacht?
Anja Förster: Es gibt drei unterschiedliche Gruppen. Erstens, diejenigen, die nur jammern. Über die Planungsversessenheit im Unternehmen, die Mühlen der Bürokratie, den mangelnden persönlichen Freiraum. Es gibt keinen Missstand, über den man nicht stundenlang lamentieren könnte. Dann gibt es diejenigen, die alles verdrängen, auch die Notwendigkeit, etwas zu verändern. Und dann treffe ich zum Glück auch noch auf eine dritte Gruppe von Menschen. Diejenigen, die mit Initiative und Mut zum Andersdenken Projekte anstoßen, die einen positiven Unterschied machen. Ihre Überzeugung ist, dass nur derjenige, der sich bewegt, etwas bewegen kann.

Was bedeutet der Gedanke, selbst der Gestalter Ihres Lebens zu sein, für Sie persönlich?
Peter Kreuz: Wenn ich mit etwas unzufrieden bin, muss ich den Hintern hochkriegen und etwas verändern. Ich habe mir abgewöhnt, mit dem Finger auf die Umstände, das Wetter oder irgendeine höhere Macht zu zeigen. Mahatma Gandhi, den ich zutiefst bewundere, hat es mal so ausgedrückt: "Sei du selbst die Veränderung, die du in der Welt sehen willst." Ein Leben jenseits der Durchschnittlichkeit braucht keine raren Fertigkeiten und Talente. Es hängt vielmehr davon ab, was du dir mit dem Talent, das du hast, machst.

Was sind denn die Voraussetzungen für Andersdenken und Höchstleistung?
Anja Förster: Ich erkläre das den Führungskräften, mit denen ich zusammenarbeite, mit dieser Frage: "Was wollen Sie auf Ihrem Grabstein lesen?" Hier ruht Max Mustermann. Er hätte wohl einige echt coole Dinge getan, wenn sein Chef ihn gelassen hätte. Oder: Hier ruht Max Mustermann. Seine Leidenschaft war das Saatkorn großer Dinge. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass die Was-will-ich-eigentlich-Frage eine der wichtigsten Fragen überhaupt ist. Wer sich dieser Frage verweigert oder aus Angst vor der Antwort reflexhaft antwortet "Ich würde ja gern, aber ...", bleibt lebenslang unter seinen Möglichkeiten – und das freiwillig. Das kann man so machen, aber es ist auch ein sehr begrenztes Leben.


Über die Autoren:
Anja Förster und Peter Kreuz sind
Bestsellerautoren, Managementberater und gefragte Vortragsredner. Ihre Mission ist es, Denkmauern einzureißen und den Horizont zu öffnen für eine neue Art zu leben und zu arbeiten. Die beiden sind sowohl beruflich als auch privat ein Paar und leben abwechselnd in Deutschland und Frankreich. Mehr über die Autoren: www.foerster-kreuz.com

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